Die Volksfront von Österreich

Eine politische Bewegung nach der anderen schießt aus dem Boden. die Wütenden wirken chaotisch, haben aber mehr gemeinsam, als der erste Blick vermuten lässt

Rundschau: Ingrid Brodnig, Ruth Eisenreich

Es ist Sonntagnachmittag, 53 Nerds versammeln sich im Werk, einem Kulturzentrum in Wien-Ottakring. Drinnen ist es dunkel, viele Männer tragen T-Shirts, lange Haare, Brillen und wirken tatsächlich so, als hätten sie gerade an der Informatik-HTL maturiert. Sie haben ihre Computer mitgebracht, es gibt fast mehr Laptops im Raum als Menschen. Dafür sind kaum Frauen zu sehen hier am Parteitag der österreichischen Piraten. Dabei wird hier die neue Führung gewählt. Mehr noch: Es soll eigentlich das politische System des Landes umgekrempelt werden.

Dann ergreift der Erste das Wort. Der Mann mit Brille und langem Haar spricht über die Bestechlichkeit des Menschen, dann gesteht er ganz offen: „Auch ich bin ein korrupter Wichser.“ Dennoch will dieser Pirat im kommenden Jahr den Nationalrat entern. Weiterlesen »

Der Aufstand der Massen im Namen des Guten

Die Webgemeinschaft bläst zum Angriff, weil ein Obdachloser rüde aus einem Bierlokal geworfen wurde. Angeblich

Bericht: Ruth Eisenreich, Joseph Gepp

Es ist eine empörende Geschichte, die der Informatiker Andreas Marek, 30, von seinem Besuch in einem Bierlokal im Alten AKH erzählt. Eine Geschichte von der Demütigung eines ohnehin Schwachen in der Stiegl-Ambulanz, einer Gaststätte am Uni-Campus, die auf etwas schicker macht als die sie umgebenden Lokale. Weiterlesen »

Ein Hase wird gehäutet: Aktionistischer Protest gegen die Pelzindustrie

Der Hase kreischt, als der Mann in der braunen Kutte ihm das Fell abzieht. Unter dem Kostüm kommt eine junge Frau zum Vorschein. Ihre rosa Leggings haben rote Flecken, ihr T-Shirt auch. Reglos bleibt sie liegen. Um sie herum lassen sich etwa vierzig Menschen zu Boden fallen.

Das Mädchen im Hasenkostüm heißt Lilie Lin und engagiert sich seit drei Jahren beim Verein gegen Tierfabriken, für den auch einige der Angeklagten im Tierschützerprozess  arbeiten. Weil sie die wöchentlichen Demonstrationen des VGT langweilig fand, regte die 17-jährige Schülerin den Anti-Pelz-Flashmob an, der am Samstag Nachmittag am Stephansplatz stattfand. Das Ziel: Auf leidende Tiere aufmerksam machen und dabei Spaß haben.

Einige Passanten bleiben stehen, schauen, fotografieren, rätseln über die Aktion. „Gegen Tierquälerei ist das wohl“, vermutet eine Dame mit grauem Kurzhaarschnitt, „irgendwas wird’s schon bringen“. Sie zupft ihren Pelzmantel zurecht und schlendert davon.

Falter, 23.2.2011