“Wien ist ja sehr beliebt bei vielen Oligarchen”

Der Politologe Anton Shekhovtsov über die Querverbindungen zwischen dem Kreml, der Eurasienbewegung und der FPÖ

Die FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus, der Chef der rechtsextremen bulgarischen Partei Ataka, Wolen Siderow, die Front-National-Abgeordneten Marion Maréchal-Le Pen und Aymeric Chauprade sowie Alexander Dugin, der Führer der rechten russischen Eurasischen Bewegung, die eine Art großrussisches Reich fordert: Sie alle trafen sich  am Samstag vor einer Woche bei einer geheimen Versammlung in Wien, wie die Schweizer Zeitung Tagesanzeiger herausfand. Der Rechtsextremismusforscher Anton Shekhovtsov erklärt die Hintergründe. Read More »

Neonazis singen, die Polizei zieht ab – gab es Konsequenzen?

“In Auschwitz weiß ein jedes Kind, dass Juden nur zum Heizen sind” – Thomas Kuban kennt Texte wie diesen gut. Jahrelang hat sich der deutsche Journalist, der unter diesem Pseudonym auftritt, unter Neonazis gemischt und heimlich deren Konzerte gefilmt. Der dabei entstandene Film “Blut muss fließen“ war Anfang Mai erstmals in Wien zu sehen. Kurzzeitig wurde dabei allerdings die Bildspur abgedreht, wegen einer Rechtsunsicherheit. “Es geht um die Frage: Darf man in Österreich Einsatzkräfte, die sich falsch verhalten, identifizierbar zeigen?“, erklärt Kuban.

Die geschwärzte Szene war – verpixelt (siehe Video unten ab 2:13) – schon 2007 im ORF zu sehen. Sie stammt von einem Konzert in Oberösterreich im Dezember 2006: “Die Polizei hatte den Saal besetzt“, erzählt Kuban, “aber es kam zu freundschaftlich wirkenden Kontakten zwischen Polizisten und Neonazis, es wurde gelacht, Neonazis haben Polizisten auf die Schulter geklopft – und dann haben sich die Polizisten verabschiedet, teilweise per Handschlag.“ Die Polizei verließ den Saal, die Band legte mit Liedern wie dem obigen los. Read More »

Eine Nacht unter aufrechten Demokraten

Ein Tarnschnurrbart, ein lallender Nationalratspräsident und viele Narben. Zu Besuch beim WKR-Ball

Ballbesuch: Ruth Eisenreich, Benedikt Narodoslawsky

“Scheiße“, sagt Rainer Schüller. Der Innenpolitikchef des Online-Standard hat sich für den Ball extra einen dünnen Schnurrbart wachsen lassen. Undercover wollte er sich einschleichen. Und jetzt steht die Konkurrenz vor ihm. Das Pärchen vom Falter: Er glattrasiert im Smoking, sie geschminkt im bodenlangen Kleid. Auch die Presse kam verkleidet, der Kurier, der Print-Standard und die Reporter von der Vienna Review. Der Redakteur vom Monatsmagazin Datum hat sich seinen dichten Vollbart abrasiert.

Alle wollten “wallraffen“ beim “Naziauflauf“, wie die Demonstranten den Ball nennen. Außer der Apa waren ja keine Medien zugelassen. Und so tat die Branche, was sie sonst so scheut: verdeckt recherchieren. Read More »