Die beste Zeit ihres Lebens?

Die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen zeigen Symptome einer Depression. Das betrifft auch die, denen gern ein sorgenfreier Alltag nachgesagt wird: Studierende 

Rebeka Rajkovacic ist am Ende ihres zweiten Semesters. Wie ihr Institut oder dessen Bibliothek, wie überhaupt ein Hörsaal von innen aussieht, das weiß die 20-jährige Studentin der Transkulturellen Kommunikation bislang nur von Fotos auf der Website der Uni Wien.

Christoph Berger studiert im sechsten Semester Jus an der Uni Salzburg. „Es wird als Luxusproblem dargestellt, dass Studierende nicht mehr fortgehen und Freunde treffen können“, sagt der 22-Jährige. „Aber wenn dieser vermeintliche Luxus den Großteil deines Soziallebens ausmacht, bleibt jetzt halt nicht mehr viel übrig.“

Lisa Lenz ist 19 und studiert Technische Chemie an der TU Wien, sie ist im vierten Semester. Fragt man sie, wie es ihr geht, wie sie mit der Situation klarkommt, sagt sie: „Ein bisschen depressiv.“ Ob sie das im klinischen oder im umgangssprachlichen Sinn meint, ist erst mal unklar. So oder so ist sie damit keine Ausnahme.

Die Corona-Krise hat die psychische Belastung vieler Menschen gesteigert. In allen Teilen der Bevölkerung, ja, aber mit einer klaren Tendenz: Die Jungen leiden stärker als die Älteren. Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 27. Mai 2021

Alt und glücklich

Für Pflegekräfte war die Pandemie bisher besonders hart. Den Senioren aber geht es besser als erwartet.

Zum größten Problem der Altersheime im Corona-Herbst 2020 könnten die Schulen werden. Das zeigt sich, wenn man mit Pflegekräften spricht, etwa mit Elisabeth Purth, die das Seniorenheim Haus Elisabeth der Caritas in Wien-Döbling leitet. „Viele unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben Kinder in der Schule oder im Kindergarten, manche sind alleinerziehend.“ Wenn jetzt ständig die Kinder nach Hause geschickt würden und die Eltern tagelang daheim bleiben müssten, bis deren Testergebnisse da wären, dann „werden wir wirklich Personalengpässe bekommen“.

Die ZEIT hat das Haus Elisabeth schon einmal besucht, im März, eine Woche vor dem Lockdown. Geplant war damals ein Text über den Personalmangel in der Pflege; einer von Purths Mitarbeitern und ein mobiler Pfleger des Roten Kreuzes in Baden ließen sich dafür bei der Arbeit begleiten. Dann veränderte Corona das Leben in Österreich, und statt des Personalmangels rückte eine andere Frage in den Fokus: Wie kümmert man sich um eine Hochrisikogruppe, ohne sie zu gefährden? „Meine Tochter ist schon hysterisch wegen dem Virus: Mama, dass’d ja niemandem ein Bussl gibst“, hatte die 95-jährige Renate Schober, die eigentlich anders heißt, geklagt, während ihr der Rücken eingecremt wurde (ZEIT Nr. 14/20).

Ein halbes Jahr später sind die Corona-Infektionszahlen sogar noch höher als damals. Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen: Wie hat die Altenpflege die Corona-Krise bisher bewältigt? Wie gut ist das System auf die zweite Welle vorbereitet? Und: Wie kamen die alten Menschen selbst mit der Krise klar? Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 22. Oktober 2020

„Ich bin traurig, so viele schöne Dinge fallen aus“

Was bedeutet es, im Corona-Jahr Abitur zu machen? Wie geht man damit um, wenn der Sommer des Lebens von einer Pandemie überschattet wird? Wir haben drei Schüler über Monate begleitet – das Tagebuch einer etwas anderen Reifeprüfung

MÄRZ

Fée van Cronenburg (18, Hebertshausen): Wir haben spekuliert und Scherze gemacht, aber niemand hätte gedacht, dass sie die Schule wirklich schließen. Als ich im Deutschunterricht verbotenerweise auf mein Handy geschaut hab, sah ich den Artikel, den ein Freund mir geschickt hatte: Darin stand, dass wir bis Ostern keine Schule mehr haben. Das habe ich in die Klassengruppe geschickt, alle haben angefangen zu reden, und unser Lehrer so: Wie? Was ist los? Wir hatten als Lektüre gerade Der Kameramörder von Thomas Glavinic angefangen, richtig gruselig, und unser Lehrer meinte: Jetzt hab ich das falsche Buch ausgewählt, jetzt bringt ihr euch alle um.

Felix Weichard (19, Magdeburg): Am Freitag um 15.30 Uhr hat unser Ministerpräsident Reiner Haseloff eine Pressekonferenz gehalten. Ich war noch in der Schule und habe mir das mit ein paar anderen auf dem Handy angeschaut. Minuten später hat die Schulleitung uns eine Mail geschickt – dann kamen schon die ersten Schüler und haben ihre Spinde leer geräumt.

Heva Osman (21, Hamburg): Ich war auf einem Seminar für junge Leute mit Migrationshintergrund in der Nähe von Berlin. Wir hatten Musik-, Theater- und Kunst-Workshops, haben Informationen zu Stipendien bekommen und gelernt, wie man eine Bewerbung schreibt. Als ich abends in mein Zimmer gegangen bin, hatte ich 200 Nachrichten in meinen WhatsApp-Gruppen: keine Schule mehr, alles ist geschlossen, krass, haben wir jetzt keinen Abi-Ball mehr? Weiterlesen auf Zeit Campus Online

Die Zeit, 22. Oktober 2020

„Wie naiv es war zu denken, in ein oder zwei Monaten ist das vorbei“

Saskia Stegmüller, Amandeep Grewal und Anna Kurzeck helfen seit Beginn der Pandemie, Patienten zu versorgen und Kontaktpersonen zu ermitteln. DER SPIEGEL hat sie dabei begleitet.

m März, als Bilder aus Wuhan und Bergamo die Nachrichten dominierten und niemand wusste, ob das deutsche Gesundheitssystem der Corona-Pandemie standhalten würde, meldeten sich Tausende Medizinstudierende, um in Krankenhäusern und Gesundheitsämtern auszuhelfen. Der SPIEGEL sprach Ende März mit drei von ihnen:

  • mit Anna Kurzeck, damals 25 und im 13. Semester an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die für das Gesundheitsamt ihrer Heimatstadt Tirschenreuth Kontaktpersonen von Infizierten anrief;
  • mit Saskia Stegmüller aus Bruchsal, damals 26 und im achten Semester, die vor dem Studium in Innsbruck hauptberuflich als Rettungsassistentin gearbeitet hatte und nun wieder in den Rettungswagen stieg;
  • und mit Amandeep Grewal, 25, aus Reutlingen, damals im zwölften Semester an der Comenius-Universität Bratislava, der Medizinstudierende und Krankenhäuser vernetzte, erst über die Facebook-Gruppe „Medizinstudierende vs. Covid-19“, später über die Plattform „Match4Healthcare“.

In den vergangenen Monaten hat der SPIEGEL immer wieder mit Kurzeck, Stegmüller und Grewal telefoniert und protokolliert, was sie während ihrer Arbeit erleben und wie sich die Pandemie auf ihr Studium auswirkt. Entstanden ist ein Tagebuch der Coronakrise, eine Zusammenstellung persönlicher Schilderungen, die sich nicht alle überprüfen lassen, die aber zeigen, was Deutschland im vergangenen halben Jahr erlebt hat. Weiterlesen auf spiegel.de (€)

Der Spiegel, 6. Oktober 2020