“Wir wollten Österreich retten”

Teil zwei der Reihe „Erzählen Sie mir“: Edith Wein (86) erzählt über die Selbstverständlichkeit, mit der sie nach dem Krieg Österreich wieder aufbauen wollte. Und die harte Realität als alleinerziehende, geschiedene Mutter zweier Söhne.

NU: Sie sind 1938 mit 14 Jahren nach England geflohen. Wie war Ihre erste Zeit dort?

Wein: Eine Engländerin, die Kundin im Modesalon meiner Mutter war, hat mich in Darlington, im Norden Englands, in ein College für Mittelstandskinder eingeschrieben. Wir haben Wäscherei gehabt, Kochen, aber auch andere Fächer. Es war nicht einfach, sich in dem Alter in einem englischen College zurechtzufinden, aber ich habe sehr viel davon profitiert. Ich habe einige gute Freundinnen gehabt. Eine davon, die Rosemary, habe ich vor ungefähr zehn Jahren gesucht, wir haben uns dann in London getroffen und sind noch immer in Kontakt. Read More »

Von fremden Ländern, enttäuschten Erwartungen und offenen Mistkübeln

Über die Schrecken der Nazizeit haben ältere jüdische Frauen wie Hansi Tausig immer wieder berichten müssen. In der neuen NU-Gesprächsreihe „Erzählen Sie mir“ erzählen sie einer um beinahe siebzig Jahre Jüngeren von der Zeit nach 1945.

NU: Sie sind 1946 aus England nach Österreich zurückgekommen. War für Sie von Anfang an klar, dass sie zurückwollen?

Tausig: Bei Kriegsschluss war ich schon entschlossen, da war ich schon in der Organisation und darauf vorbereitet.

Was für eine Organisation?
Young Austria. Das war eine Organisation von Jugendlichen, und die Ausrichtung war „Zurück nach Hause“. Also erst einmal österreichische Kultur verbreiten bei englischen Jugendlichen: Wir hatten eine Spielgruppe und einen Chor, wir haben österreichische Klassiker gespielt, waren zu vielen Jugendclubs eingeladen und haben dort über Österreich gesprochen, ein paar Lieder gesungen, volksgetanzt, … Das war im Großen und Ganzen die Vorbereitung. Read More »

Ein Stück Gewissheit, nicht unerwünscht zu sein

Nahezu unbemerkt von der jüdischen Gemeinde hat Natalia Najder den Freundeskreis der IKG gegründet, eine Gruppe von jüdischen und nichtjüdischen Sympathisanten. NU traf drei Mitglieder und sprach mit ihnen über ihre Beziehung zum Judentum.

Eine aus der Kirche ausgetretene Gänserndorfer Fremdenführerin, ein katholischer Publizistikprofessor, eine nach eigenem Bekunden jüdische Mitarbeiterin der Internationalen Atomenergiebehörde. Viele Gemeinsamkeiten haben diese drei nicht, doch eines verbindet sie: Jeder von ihnen hat, aus den unterschiedlichsten Gründen, eine enge Beziehung zum Judentum, ohne aber das wichtigste Kriterium für die Mitgliedschaft bei der Israelitischen Kultusgemeinde zu erfüllen – eine lückenlos nachweisbare jüdische Abstammung nach den Regeln der Halacha.

Natalia Najder vom Mitgliederservice der IKG ist es zu verdanken, dass diese Menschen nicht völlig vom jüdischen Leben Wiens ausgeschlossen sind. Read More »