Die Akademie der Verdrängenden Künste

Nationalsozialisten als Ehrenmitglieder, die Büste eines Nazi-Dichters vor dem Gebäude, Hakenkreuze am Boden der Aula: Hat die Akademie der Bildenden Künste ihre Rolle im Nationalsozialismus ausreichend aufgearbeitet?

„Die kommissarische Führung der Akademie hat zu ihrem größten Befremden wahrgenommen, daß der Schillerplatz als Aufenthaltsort für die Juden freigegeben wurde. Ausgerechnet unter unserem Schillerdenkmal, welches jeden volksbewußten Deutschen mit Ehrfurcht vor unserem größten Dichter gemahnt, sitzen jetzt tagsüber auf den Bänken dichtgedrängt die unliebsamen Fremden.“. Das schreibt die Leitung der Akademie der Bildenden Künste im Dezember 1938 an Hanns Blaschke, Wiener Vizebürgermeister und Leiter des Kulturamts, und fordert: „Schillerplatz soll judenfrei werden.“ Weiterlesen »

„Gläubig, aber mit dem Bodenpersonal nicht zufrieden“

Im letzten Teil der Reihe „Erzählen Sie mir“ spricht Gertrude Laufer über ihre Arbeit für die Amerikaner, staubsaugende Männer und den Sinn des Militärdienstes.

NU: Frau Laufer, Sie waren von 1939 bis 1947 im Exil in Shanghai. Wie war die erste Zeit zurück in Wien?

Laufer: Wir haben vier Monate lang in einem Hotel im zweiten Bezirk gewohnt, bis meine Eltern ihre Wohnung zurückbekommen haben.Ein Jahr später haben sie auch ihr Geschäft, ein Parfümeriegeschäft, zurückbekommen.Weiterlesen »

„Es gibt wenige gute Menschen“

In Teil drei der Reihe „Erzählen Sie mir“ erzählt Susanne Guttmann von Glauben, Tradition und dem Unterschied zwischen Männern und Frauen.

NU: Sie sind 1939 nach Shanghai geflüchtet. Wie haben Sie dort gelebt?

Guttmann: Wir hatten nicht die Absicht zu bleiben. Wir haben ein Affidavit nach Amerika eingereicht – aktuell ist das im 1953er-Jahr geworden! Wir sind in ein internation camp gekommen. Ich habe das als Achtjährige nicht als so furchtbar empfunden. Ich habe geglaubt, das gehört so, dass man keine Schuhe und keine Toilette hat.Weiterlesen »

„Wir wollten Österreich retten“

Teil zwei der Reihe „Erzählen Sie mir“: Edith Wein (86) erzählt über die Selbstverständlichkeit, mit der sie nach dem Krieg Österreich wieder aufbauen wollte. Und die harte Realität als alleinerziehende, geschiedene Mutter zweier Söhne.

NU: Sie sind 1938 mit 14 Jahren nach England geflohen. Wie war Ihre erste Zeit dort?

Wein: Eine Engländerin, die Kundin im Modesalon meiner Mutter war, hat mich in Darlington, im Norden Englands, in ein College für Mittelstandskinder eingeschrieben. Wir haben Wäscherei gehabt, Kochen, aber auch andere Fächer. Es war nicht einfach, sich in dem Alter in einem englischen College zurechtzufinden, aber ich habe sehr viel davon profitiert. Ich habe einige gute Freundinnen gehabt. Eine davon, die Rosemary, habe ich vor ungefähr zehn Jahren gesucht, wir haben uns dann in London getroffen und sind noch immer in Kontakt.Weiterlesen »

Die schwedischen Doppelgänger der Gaddafi-Geschwister

Das Türschild ist unbeschriftet, Bewegungsmelder und Kameras überwachen das weiße Haus im Nobelbezirk. Der Besitzer: Saif al-Islam al-Gaddafi, zweiter Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi und bis vor Kurzem als dessen Nachfolger gehandelt. Gerüchte, wonach Teile seiner Familie gerade in Österreich seien, wies Innenministerin Maria Fekter in der Pressestunde zurück: „zumindest nicht unter dem Namen Gaddafi“.

Am unteren Ende des steilen Gässchens hält ein schwarzer Lexus, ein Chauffeur mit Ray-Ban-Sonnenbrille öffnet die Tür. Ein stämmiger Mann mit zurückgegeltem schwarzem Haar steigt aus. Ihm folgt eine Frau, elegant gekleidet, ein locker sitzendes Kopftuch bedeckt einen Teil ihrer blondierten Haare. Die beiden gehen auf das weiße Haus zu. Sie seien Schweden, erklären sie, und würden sich hier, am äußersten Rande Wiens, „nur umschauen“. Sie sehen Aisha und Hannibal al-Gaddafi, der Tochter und dem fünften Sohn des Diktators, zum Verwechseln ähnlich.

Falter, 2.3.2011