„Es mussten erst mal Frauen sterben“

Herzinfarkt kriegen nur Männer, und Mädchen sind wehleidiger als Jungs? Die Gendermedizinerin Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione erforscht,
wie Geschlechter-Stereotype der Heilung von Krankheiten im Weg stehen

Frau Dr. Oertelt-Prigione, Anfang des Jahres kam eine Studie der Universität Yale heraus. Für die sahen Versuchspersonen ein Video, in dem jemand einem kleinen Kind in den Finger sticht – der einen Hälfte wurde das Kind als Samuel präsentiert, der anderen Hälfte als Samantha …

SABINE OERTELT-PRIGIONE: … und die Erwachsenen nahmen Samanthas Schmerzen weniger ernst als Samuels.

Genau. Hat Sie das überrascht?

Nicht wirklich. Weiterlesen im RiffReporter-Magazin „Der andere Körper“

Brigitte, 17. Juni 2019

Erst schwanger, dann ohne Job

Firmen dürfen bereits zugesagte Verträge nicht absagen, weil die Kandidatin schwanger ist. Trotzdem klagen nur wenige Frauen, wenn ihnen so etwas widerfährt. Warum?

Wäre Annika Wittmann nicht so ehrlich gewesen, sie hätte heute einen Job. Aber ihr Chef stand kurz vor einem längeren Urlaub, und seine Rückkehr wollte sie nicht abwarten, obwohl ihr neuer Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben war. „Ich wusste, wenn er wiederkommt, habe ich schon einen Bauch“, sagt sie, „das wäre mir unangenehm gewesen, und ich hätte es unfair gefunden.“

Als der Chef in ihr Büro kommt, um den Beginn ihres neuen Vertrags zu besprechen, nutzt sie also die Gelegenheit. Sie erzählt ihm, dass sie schwanger ist, und erklärt gleich auch ihre Pläne: Dass sie nach dem gesetzlichen Mutterschutz sofort wiederkommen will, dass sie also von den 15 Monaten Vertragslaufzeit nur drei Monate ausfallen wird, dass sie ja ohnehin nur Teilzeit arbeitet und das Kind auch einen Vater hat. Der Chef, so erzählt Wittmann, reagiert anders als erwartet: „Er hat herumgedruckst, ich müsse ja für das Kind da sein“, sagt sie, „eine Frau müsse zu Hause beim Kind sein, erst recht in den ersten drei Jahren.“

Ein paar Tage später erkundigt sich Wittmann bei der Personalreferentin nach dem Stand der Dinge. Weiterlesen auf Zeit Online

Zeit Online, 23. Mai 2019

Die Zeit des Redens ist vorbei

Der Trend, mit Rechten den Diskurs zu suchen, kippt in die gegenteilige Richtung. Warum?

Die letzten zwei Jahre waren die Zeit des Redens mit Rechten. Das fast gleichnamige Buch von Per Leo, Maximilian Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn erschien im Oktober 2017, inzwischen liegt es in fünfter Auflage in den Läden. Schon im Juni 2017 brachte Zeit Online unter dem Titel „Deutschland spricht“ in einem aufwändigen Verfahren Menschen mit entgegengesetzten politischen Haltungen zum Diskutieren zusammen. An der zweiten Ausgabe des Formats im September 2018 beteiligten sich elf Medienhäuser – auch die Süddeutsche Zeitung – und mehr als 8000 Diskutanten. Nach dem Aufstieg der AfD waren die politisch Interessierten des Landes sich einig: Die Gesellschaft ist zu stark gespalten, wir müssen aus unseren Filterblasen heraus und mit Andersdenkenden ernsthaft debattieren – Linke mit Rechten, Flüchtlingshelfer mit „besorgten Bürgerinnen“, Gendersternchen-Schreiberinnen mit Antifeministen –, auch wenn das mühsam ist.

Und jetzt?

Im November 2018 forderten Prominente wie der Musiker Smudo über den Hashtag #unfollowme Rechte auf, sie in sozialen Medien zu entfolgen. Stille statt Diskussion. Weiterlesen auf jetzt.de

jetzt.de, 3. März 2019

Wenn Erasmus doch nicht die beste Zeit des Lebens ist

Auslandssemester bedeuten nicht immer nur Spaß, sondern für viele auch absolute Einsamkeit. Was dann?

Die geilste Zeit deines Lebens! Eintauchen in eine neue Kultur! Freunde aus der ganzen Welt! Party bis zum Abwinken! So sieht ein Auslandssemester in der Vorstellung der meisten aus. Was aber, wenn die Realität da nicht mitspielt?

Marie hatte sich keine Sorgen gemacht, bevor sie nach England flog. Sie hatte ja nach dem Abi ein Jahr als Au-pair dort verbracht, sich schnell eingelebt und Freunde gefunden. Wieso sollte sie drei Jahre später im Auslandssemester Probleme haben? Doch dann kam es anders: Weiterlesen auf jetzt.de

jetzt.de, 24. Februar 2019

 

„Armut macht mürbe“

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist riesig in Hamburg. Das bleibt ein abstrakter Satz, bis man mit Hans Berling spricht, der seit fast 30 Jahren mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen in Jenfeld arbeitet.

Eines von fünf Kindern in Hamburg lebt von Hartz IV. In Jenfeld sind es doppelt so viele. Hans Berling kennt viele von ihnen. Er ist seit 23 Jahren Geschäftsführer der Jenfelder Kaffeekanne, eines Nachbarschaftszentrums mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendarbeit.

DIE ZEIT: Herr Berling, was haben Sie von den Kindern, die Sie in den letzten 30 Jahren betreut haben, über Armut gelernt?

Hans Berling: Für die Kinder und Jugendlichen ist Armut kein großes Thema. Die Kinder bei uns im Haus kommen zu 90 Prozent aus Familien, die Hartz IV beziehen oder ergänzende Leistungen, weil die Eltern zu wenig verdienen. Aber die Kinder haben nicht das Gefühl: Wir sind benachteiligt, wir haben kein Geld, wir sind arm. Arm sind für sie vielleicht Kinder in afrikanischen Ländern, wenn das gerade im Fernsehen kam. Mit Fragen nach ihrer Armut können sie nichts anfangen. Weil sie gar keinen Vergleich haben. Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 18. Oktober 2018