Willkommen in Bodenmais

Zwölf Wellnesshotels buhlen in der Bayerwaldgemeinde um Gäste. Aber die bringen kaum Geld in den Ort.

Auf dem Türschild steht “Ruheraum Parkblick”. Aber wer Ende April hier aus dem Fenster schaut, der sieht draußen rohe Betonwände und zwei Kräne vor dem Bayerwald aufragen. Drinnen cremefarbene Wände, von der Decke hängen Rattanliegen, es ist so still, dass man die Uhr ticken hört. Ein Paar flüstert. Von draußen dringen gedämpft die Geräusche der Baustelle ans Ohr. Das “Wellness & Spa Resort” Mooshof, Kategorie Vier Sterne Superior, baut an. Wieder einmal. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 23.4.2016

 

Ein Land wird ausgehöhlt

Irland hat die Wirtschafts- und Finanzkrise angeblich gut überstanden – aber dabei eine Generation junger, kreativer Menschen verloren

Vor ein paar Tagen hat Joe Byrne mit Freunden gefrühstückt. Sie machen das regelmäßig, früher trafen sie sich in Dublin, heute sitzen sie vor ihren Computern, die Webcams eingeschaltet: Brenda in Kanada, Luke in Hongkong, Sinéad in Moldawien und Joe daheim in Irland. Ungefähr ein Drittel seiner Freunde, sagt Byrne, habe in den vergangenen fünf Jahren das Land verlassen.

Irland gilt als Staat, der gut durch die Wirtschaftskrise gekommen ist; als Beispiel dafür, dass die von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) verordnete Sparpolitik funktioniert. Tatsächlich hat sich die Wirtschaft des Landes nach einem massiven Einbruch leicht erholt. Aber seit Beginn der Krise im Jahr 2008 wandern junge Menschen in Scharen aus – und kommen oft nicht wieder … Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 3.8.2015

A country hollowed out

Ireland is said to have mastered the financial crisis well, but the country has lost a generation of young, creative people

(A translation of this piece for the German daily paper “Süddeutsche Zeitung”)

A few days ago, Joe Byrne had brunch with a few friends. They do that regularly – they used to meet up in Dublin, now they sit in front of their computers, their webcams turned on: Brenda in Canada, Luke in Hong Kong, Sinéad in Moldova, and Joe at home in Ireland. “About a third of my friends have left Ireland in the last five years”, Joe Byrne says.

Ireland is regarded as a country that has mastered the economic crisis well – as an example for how well the austerity policy prescribed by the European Union, the European Central Bank and the International Monetary Fund works. The country’s economy has indeed recovered slightly after a dramatic slump. But since the crisis started in 2008, young people have been emigrating in droves – and not all of them will return. Read More »

40 Stunden Arbeit, 869 Euro Lohn

Jeder zwanzigste Erwachsene in Österreich ist trotz Berufstätigkeit arm. Sind gesetzliche Mindestlöhne die Lösung?

Anna A. ist 32, hat zwei Kinder und lebt in einem Dorf irgendwo in Österreich. Trotz Matura hat sie hier keinen passenden Job gefunden, also arbeitet sie als Verkäuferin – Teilzeit, denn der Kindergarten im Ort ist nur halbtags offen. Anna A. und ihr Mann verdienen zusammen 24.000 Euro netto im Jahr. An Urlaub ist seit der Geburt der Kinder nicht zu denken, und der alte Computer wird noch eine Weile halten müssen.

Anna A. gibt es nicht – aber es gibt viele wie sie in Österreich. 198.000 Menschen, gut jeder zwanzigste arbeitende Erwachsene, waren im Jahr 2011 trotz Job armutsgefährdet; in ihren Haushalten lebten auch 171.000 Kinder. Geht es nach den Grünen, werden diese Menschen nun zum Wahlkampfthema: Am Tag der Arbeit forderte Grünenchefin Eva Glawischnig einen gesetzlichen Mindestlohn von 1.450 Euro brutto für Vollzeitjobs. 20 von 27 EU-Ländern haben bereits Mindestlöhne, Deutschland wird wohl bald einen einführen. Sollte Österreich nachziehen? Wie kann gesichert werden, dass auch Familien wie die von Anna A. von ihren Jobs leben können? Read More »