Ausgebremst und abgesagt

In der Corona-Krise werden in einigen Branchen die Lehrstellen knapp. Das trifft besonders jene Jugendlichen, die es ohnehin schon schwer haben

Es wäre das erste Bewerbungsgespräch seines Lebens gewesen. Ein Termin um acht Uhr früh an einem sonnigen Tag im März, bei einem Großhandelsunternehmen in Berlin. Niko Kamitz saß schon im Bus, da klingelte sein Telefon, die Frau aus der Personalabteilung: Es tue ihr leid, sie dürfe ihn wegen der Covid-19-Pandemie nicht treffen. Kamitz stieg an der nächsten Haltestelle aus und fuhr wieder nach Hause, erzählt er.

Jedes Jahr im Frühling ist in Deutschland Bewerbungszeit. Hunderttausende Jugendliche verschicken dann ihre Zeugnisse und Lebensläufe, um im Herbst eine Ausbildung zu beginnen. Doch im laufenden Jahr hat die Corona-Pandemie den Prozess unterbrochen. Bewerbungsgespräche wurden abgesagt, und Firmen zögern, in der Krise Auszubildende einzustellen. Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 4. Juni 2020

Willkommen in Bodenmais

Zwölf Wellnesshotels buhlen in der Bayerwaldgemeinde um Gäste. Aber die bringen kaum Geld in den Ort.

Auf dem Türschild steht „Ruheraum Parkblick“. Aber wer Ende April hier aus dem Fenster schaut, der sieht draußen rohe Betonwände und zwei Kräne vor dem Bayerwald aufragen. Drinnen cremefarbene Wände, von der Decke hängen Rattanliegen, es ist so still, dass man die Uhr ticken hört. Ein Paar flüstert. Von draußen dringen gedämpft die Geräusche der Baustelle ans Ohr. Das „Wellness & Spa Resort“ Mooshof, Kategorie Vier Sterne Superior, baut an. Wieder einmal. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 23.4.2016

 

Ein Land wird ausgehöhlt

Irland hat die Wirtschafts- und Finanzkrise angeblich gut überstanden – aber dabei eine Generation junger, kreativer Menschen verloren

Vor ein paar Tagen hat Joe Byrne mit Freunden gefrühstückt. Sie machen das regelmäßig, früher trafen sie sich in Dublin, heute sitzen sie vor ihren Computern, die Webcams eingeschaltet: Brenda in Kanada, Luke in Hongkong, Sinéad in Moldawien und Joe daheim in Irland. Ungefähr ein Drittel seiner Freunde, sagt Byrne, habe in den vergangenen fünf Jahren das Land verlassen.

Irland gilt als Staat, der gut durch die Wirtschaftskrise gekommen ist; als Beispiel dafür, dass die von Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) verordnete Sparpolitik funktioniert. Tatsächlich hat sich die Wirtschaft des Landes nach einem massiven Einbruch leicht erholt. Aber seit Beginn der Krise im Jahr 2008 wandern junge Menschen in Scharen aus – und kommen oft nicht wieder … Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 3.8.2015

A country hollowed out

Ireland is said to have mastered the financial crisis well, but the country has lost a generation of young, creative people

(A translation of this piece for the German daily paper „Süddeutsche Zeitung“)

A few days ago, Joe Byrne had brunch with a few friends. They do that regularly – they used to meet up in Dublin, now they sit in front of their computers, their webcams turned on: Brenda in Canada, Luke in Hong Kong, Sinéad in Moldova, and Joe at home in Ireland. „About a third of my friends have left Ireland in the last five years“, Joe Byrne says.

Ireland is regarded as a country that has mastered the economic crisis well – as an example for how well the austerity policy prescribed by the European Union, the European Central Bank and the International Monetary Fund works. The country’s economy has indeed recovered slightly after a dramatic slump. But since the crisis started in 2008, young people have been emigrating in droves – and not all of them will return. Weiterlesen »

Doping für die Baustelle

Nach der Alpine-Pleite will der Staat die Bauwirtschaft ankurbeln. Aber bringt das etwas?

Bericht: Ruth Eisenreich, Joseph Gepp

Zweieinhalb Milliarden Euro Schulden, 6800 gefährdete Jobs, 1400 betroffene Zulieferfirmen: Die Insolvenz des Baukonzerns Alpine vergangene Woche war die größte Firmenpleite der Zweiten Republik.Weiterlesen »