„Was stellst du dich so an?“

Noch immer fällt es vielen Soldaten schwer, über psychische Probleme zu reden. Ein Gespräch mit Hamburgs oberstem Bundeswehr-Psychiater Helge Höllmer über die Gorillakultur der Truppe, sexualisierte Gewalt und ein großes Tabu in Militär und Gesellschaft.

Interview: Atilla-Filipe Cevik und Ruth Eisenreich

Helge Höllmer trägt eine weiße Uniform statt eines weißen Kittels, an seiner Bürotür hängt eine Feldbluse in Flecktarn. Höllmer leitet die psychiatrische Klinik des Bundeswehrkrankenhauses in Hamburg Wandsbek. Er ist Oberstarzt, seine Erklärung für Militärlaien: „Oberstarzt ist eins unterm General.“ Er sei EDK, sagt Höllmer noch. Edeka? „Ende der Karriere.“ Höher hinaus kann ein klinisch tätiger Arzt bei der Bundeswehr nicht kommen – Höllmer muss sich mit niemandem mehr gutstellen, er kann frei reden. Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 27. September 2018

„Menschen wie Sie haben keine Ahnung“

Die Sexarbeiterin Josefa Nereus ist wütend: Sie findet das seit einem Jahr geltende Prostituiertenschutzgesetz verlogen. Der Hamburger Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg hat es mit auf den Weg gebracht. Er hält es für notwendig. Ein Streitgespräch.

Von Ruth Eisenreich und Luisa Hommerich

Vor einem Jahr ist das umstrittene Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten. Marcus Weinberg, der frauenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat das Gesetz mit entwickelt, die Sexarbeiterin Josefa Nereus ist davon direkt betroffen. Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 5. Juli 2018

Der Deutsche auf dem Flüchtlingsboot

Der deutsche Reporter Wolfgang Bauer hat Syrer auf ihrem Weg über das Mittelmeer begleitet – und landete in Innsbruck in U-Haft. Ich habe für meine letzte Falter-Ausgabe mit Bauer gesprochen, hier eine Langversion des Falter-Textes.

Schulter an Schulter liegen die Menschen auf dem kalten Betonboden des ägyptischen Gefängnisses, Männer, Frauen, Kinder, das Jüngste fünf Jahre alt, aus den Nebenräumen dringen die Schreie von Gefolterten. Mittendrin liegt Wolfgang Bauer, 43, Journalist aus dem beschaulichen süddeutschen Städtchen Reutlingen. Es ist der Endpunkt einer Reise, wie sie Europäer sonst höchstens aus Erzählungen kennen. Neun Tage später wird Bauer von Ägypten nach Deutschland abgeschoben.

Täglich kommen derzeit neue Asylwerber in Europa an, viele tausend sind in den letzten Jahren im Mittelmeer ertrunken. Wir kennen die Fotos von überfüllten Booten, von Särgen. Wir diskutieren darüber, welcher Staat, welches Bundesland wie viele Asylwerber aufnehmen soll, wie sie versorgt werden sollen. Aber was passiert, bevor diese Menschen bei uns landen – wie sie auf ihre Boote kommen, wie ihre Reise verläuft, welche Gefahren ihnen drohen – das weiß kaum jemand.

Wolfgang Bauer, Reporter der deutschen Wochenzeitung Die Zeit, hat es gemeinsam mit dem tschechischen Fotografen Stanislav Krupar ausprobiert.Weiterlesen »

„Hauptsache, man hat die Behinderten nicht gesehen“

Bis in die 1980er-Jahre wurden in Wien behinderte Kinder gequält. Der Zeitzeuge und Psychiater Ernst Berger sucht nach Erklärungen

Behinderte Kinder wurden geschlagen, in Zwangsjacken gesteckt, mit Beruhigungsmitteln niedergespritzt, im eigenen Kot liegengelassen: Im Pavillon 15 am Steinhof, dem heutigen Otto-Wagner-Spital, war das bis in die 1980er-Jahre hinein Alltag. Nachdem die Krankenschwester Elisabeth Pohl im Falter von diesen Zuständen erzählt hatte, untersuchte eine Arbeitsgruppe der Stadt Wien die Vorwürfe. Doch ihr Untersuchungsbericht bleibt geheim. Der Kinderpsychiater Ernst Berger erklärt, wie es zu Situationen wie der im Pavillon 15 kommen konnte. Weiterlesen »

„Was die ÖVP hier stark macht, ist ihre Unaufgeregtheit“

Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, über die Macht der Volkspartei und die Beschimpfungen der FPÖ

Drei Worte beendeten 2009 die 35 Jahre währende schwarzblaue Koalition in Vorarlberg: Als „Exiljuden aus Amerika“ hatte FPÖ-Landeschef Dieter Egger den in Deutschland geborenen Leiter des Jüdischen Museums Hohenems, Hanno Loewy, bezeichnet. Daraufhin flog er aus der Regierung. Am 21. September wählen die Vorarlberger den Landtag neu, Umfragen zufolge wird die ÖVP ihre absolute Mehrheit verlieren. Die FPÖ und vor allem die Grünen gelten als wahrscheinlichste zukünftige Koalitionspartner von ÖVP-Landeshauptmann Markus Wallner. Aus Anlass der Wahlen baten wir Hanno Loewy als aufmerksamen Beobachter des Geschehens, uns die derzeitige Lage im Ländle zu schildern. Weiterlesen »