Geht es um die toten Kinder – oder doch um die bösen Juden? – Kommentar

Es ist schön zu wissen, dass sich so viele Österreicher für die Menschenrechte einsetzen: Wenn NGOs vor einem Völkermord im Südsudan warnen, gehen sie zu Tausenden auf die Straße. Wenn die Isis-Dschihadisten im Irak in einem Monat 1500 Zivilisten ermorden, skandieren sie „Free Iraq“ und „Terrorist Isis“. Und wenn die Hamas, die Regierung des Gazastreifens, politische Gegner im Gefängnis foltert, dann brüllen sie „Neue Nazis Hamas!“.

Es macht stolz, dass so vielen Menschen das Wohl der Kinder am Herzen liegt: Wenn syrische Regierungstruppen mit Sprengstoff und Nägeln gefüllte Bomben aus Helikoptern werfen und 90 Menschen, darunter 13 Kinder, töten, dann zeigen sie Fotomontagen, auf denen der syrische Präsident Baschar al-Assad seine Vampirzähne in ein blutbeflecktes Baby stößt.

Es ziert unser Land, dass so vielen Bürgern die Situation der unterdrückten Palästinenser ein Anliegen ist: Wenn der Libanon den in vierter Generation dort lebenden Nachfahren von vor 66 Jahren geflüchteten Palästinensern den Zugang zum Arbeitsmarkt, zu Schulen und zum Gesundheitssystem verwehrt, rufen sie auf Großdemos die Europäer und Amerikaner auf, endlich etwas zu tun.

Oder etwa nicht?

Natürlich nicht. Alle Zitate stammen, leicht abgewandelt, von einer Demo gegen die israelische Gaza-Offensive, an der am Sonntag in Wien rund 11.000 Menschen teilnahmen. Man soll Verbrechen nicht gegeneinander aufrechnen, und nein, nicht jede Kritik an Israel ist Antisemitismus. Aber wem es wirklich um Menschenrechte, das Wohl der Kinder und die Lage der Palästinenser geht, dem sollte all das nicht nur beim Thema Israel einfallen.

Falter, 23.7.2014

Die Rechtslage: Fragen und Antworten zum Gendern

Erschienen als Teil eines Falter-Schwerpunktes zum Gendern zusammen mit einem Essay von Matthias Dusini, einem Brief von Sibylle Hamann und einer Spurensuche zum „Offenen Brief der 800“

Wann muss ich geschlechtergerecht formulieren?

Wenn Sie nicht für ein Amt oder eine Behörde arbeiten und auch keine Stellenangebote verfassen: nie. Gesetzliche Vorgaben zum Gendern (Paragraf 9 des Gleichbehandlungs– und Paragraf 10a des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes) gibt es nur in diesen beiden Bereichen.

Meine Diplomarbeitsbetreuerin sagt aber, ich muss.
Weiterlesen »

Was steckt hinter dem Brief der 800? Eine Spurensuche

Erschienen als Teil eines Falter-Schwerpunktes zum Gendern zusammen mit einem Essay von Matthias Dusini, einem Brief von Sibylle Hamann und einem FAQ zum Gendern

„Vierteljahresschrift für gutes Deutsch und abendländische Sprachkultur“ lautet der Untertitel der Wiener Sprachblätter. Herausgegeben wird das Heft vom laut Webseite „am 23. Nebelmond (November) 1949“ gegründeten „Verein Muttersprache“, den man „fernmündlich“ oder via „Fernbild (Fax)“ kontaktieren kann und in dessen Vorstand statt eines Kassiers ein „Säckelwart“ sitzt. An der Adresse des Vereins, Fuhrmannsgasse 18a,1080 Wien, haben diverse Burschenschaften ebenso ihren Sitz wie die „Österreichische Landsmannschaft“, die den rechtsextremen Eckartboten herausgibt und früher die einzige Verkaufsstelle für WKR-Ball-Karten war.

Als bekannt wurde, dass ausgerechnet dieses Heft den offenen Brief gegen das Gendern erstveröffentlicht hatte und dass einer der Autoren, der emeritierte Sprachwissenschaftler Heinz-Dieter Pohl, im Vorstand des Vereins sitzt, gingen vor allem auf Twitter die Wogen hoch. Weiterlesen »

Sie sprechen von der Freiheit und meinen den Zwang – Kommentar

Proteste gegen „von oben her verordnete Vorschriften“ und „Zwangsmaßnahmen“ kommen immer gut an. Das wissen auch jene Lehrer und Uni-Professoren, die am Montag einen an Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gerichteten offenen Brief gegen das geschlechtergerechte Schreiben publiziert haben. Darin tun sie so, als kritisierten sie Zwänge – dabei wollen sie Möglichkeiten abschaffen. Weiterlesen »

„He, wir wurden nicht einmal gefragt!“

Sitzen hier zukünftige Kanzlerinnen und Minister? Fünf Jungpolitiker debattieren über Hoffnungen und Enttäuschungen in ihrem ersten Jahr als Volksvertreter

Herzliche Begrüßungen, Umarmungen mit Schulterklopfen, Scherze: Wenn die jüngsten Abgeordneten des Parlaments aufeinandertreffen, herrscht eine lockere Atmosphäre.

Noch nie in der österreichischen Geschichte gab es so viele Volksvertreter unter 30 wie heute. Acht sind es, fast alle sitzen erst seit Herbst im Nationalrat. Zum Ende ihres ersten Parlamentsjahres bat der Falter die jüngsten Neo-Abgeordneten von fünf Parteien (beim Team Stronach ist niemand unter 30) zum Gespräch über Ideale, Ernüchterungen und die alltägliche Arbeit im Parlament: Daniela Holzinger (26, SPÖ), Asdin El Habbassi (27, ÖVP), Petra Steger (26, FPÖ), Julian Schmid (25, Grüne) und Nikolaus Scherak (27, Neos). Weiterlesen »