Gezerre ohne Grenzen

Sofia, Oliver, Christian – die Namen dieser Kinder stehen für eskalierten Sorgerechtsstreit zwischen binationalen Elternpaaren. Sind die Gesetze untauglich?

Sofia bleibt in Österreich – zumindest vorläufig. Nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit und wochenlanger medialer Empörung über die geplante „Abschiebung“ der Sechsjährigen ist vergangene Woche für einige Zeit Ruhe eingekehrt.

Medial präsent war der „Fall Sofia“ seit dem Juni, als ein italienisches Gericht Sofias Mutter Doris Povse wegen Kindesentführung zu 15 Monaten Haft verurteilte. Povse hatte Sofia im Jahr 2008 von Italien zurück nach Österreich gebracht, nachdem sie sich vom – angeblich gewalttätigen – italienischen Vater des Mädchens getrennt hatte. Mehrere Gerichte ordneten an, dass Sofia nach Italien zurückkehren müsse, doch bevor der Gerichtsvollzieher das Mädchen abholen konnte, tauchten Mutter und Kind unter. Weiterlesen »

Festung Australien

Die Regierung will alle Flüchtlinge nach Papua-Neuguinea abschieben – Proteste gegen die Verschärfung des Asylrechts gibt es kaum.

Sie leben dicht gedrängt in überhitzten Zelten und Containern, mit wenig Zugang zu medizinischer Versorgung oder Rechtsberatung: 200 Männer, Frauen und Kinder sind derzeit im Flüchtlingslager der winzigen, zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus Island untergebracht – und in Zukunft werden es wohl deutlich mehr werden.

Denn Australien will alle Flüchtlinge, die per Boot ins Land gelangen wollen, nach Manus Island abschieben. Ihre Asylanträge soll dann Papua-Neuguinea behandeln. Das verkündete vergangene Woche Kevin Rudd, Chef der Labour Party und australischer Premierminister.Weiterlesen »

Harmonie kommt später

Ruth Eisenreich hat sich in Berlin angehört, was die neue Partei Alternative für Deutschland außer Euro-Kritik noch zu bieten hat

Gibt es den von Menschen verursachten Klimawandel, oder gibt es ihn nicht? Ganz einig sind sich Bernd Lucke, der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), und sein Energieexperte Stephan Boyens da nicht.

„Die Theorie der globalen Erwärmung hat starke Risse“, sagte Boyens am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Kaum hatte er geendet, relativierte Lucke: Es handle es sich bei Boyens‘ Aussagen um dessen „persönliche Auffassung“. „Als Partei stellen wir die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass CO2 ein Klimakiller ist, nicht infrage.“ Obwohl Lucke Boyens in anderen Punkten zustimmte – etwa darin, dass die Energiewende in ihrer aktuellen Form „Unsinn“ sei -, verirrte sich von diesem Zeitpunkt bis zum Ende der Pressekonferenz kein Lächeln mehr auf Boyens‘ Gesicht. Weiterlesen »

Im Outback, wo die Erde rot ist

Australien interniert Asylwerber in der Wüste und auf abgelegenen Inseln – sogar Kinder

Stacheldrahtzäune, Wellblechbaracken, Schlafsäle mit Stockbetten, ein Speisesaal mit Neonlicht und grauen Plastikstühlen: So sieht der ehemalige Luftwaffenstützpunkt Curtin auf den Fotos aus, die die australische Menschenrechtskommission bei einem Besuch vor zwei Jahren gemacht hat. Wie die ideale Umgebung für Kinder wirkt Curtin nicht, trotzdem lebt hier seit Anfang Mai eine Handvoll von ihnen: Flüchtlingskinder aus dem Irak, dem Iran, Afghanistan, Pakistan und Sri Lanka.

Curtin liegt mitten im menschenleeren Nordwesten Australiens, dort, wo die Erde rot ist und die Temperatur an einem durchschnittlichen Sommertag auf 39,8° Celsius klettert. Derby, das nächste Dorf, ist 40 Kilometer entfernt, die nächste größere Stadt Darwin 1.700 Kilometer – so weit wie Wien von Athen.Weiterlesen »

„Was ist schon ein Rebell?“

Ab Herbst werden mehr Abgeordnete unter 30 im Nationalrat sitzen als je zuvor. Wer sind die Newcomer?

Er schreibt Mails, die mit „Wow cool :)“ beginnen. Er duzt fast jeden, dem er begegnet. Er geht an heißen Sommertagen in kurzen Hosen, T-Shirt und Converse zu Diskussionen, bei denen die Uniform der anderen Männer aus Jeans und hochgekrempelten Hemden besteht. Und wenn er über die hohe Politik spricht, entkommt ihm manchmal ein kurzes, lautloses Lachen – ganz so, als ob er selbst noch über seine neue Rolle staunen würde. Ab Herbst wird Julian Schmid, 24, wohl für die Grünen im Nationalrat sitzen, als einer der jüngsten Abgeordneten in der Geschichte.

Und er wird eine Menge Kollegen in seinem Alter haben. Bis zu zehn Abgeordnete unter 30 könnten im Herbst ins Parlament einziehen, mehr als je zuvor. Weiterlesen »