Genossin Gewissen

Sonja Ablinger hat beim Fiskalpakt gegen die Parteilinie gestimmt. Es war nicht das erste Mal

Sonja AblingerEs ist eine riesige Portion Salat mit Hühnerstreifen, die der Kellner im Café Lentos am Linzer Donauufer vor Sonja Ablinger hinstellt. „Wollen Sie etwas davon?“, fragt die Nationalratsabgeordnete und muss lachen: „Wir Sozialdemokraten teilen eben alles.“

Ablinger, 46, ist Sozialdemokratin durch und durch. Sie kommt aus einer roten Familie, engagiert sich seit ihrer Jugend in der SPÖ, und wenn sie von den Grundwerten der Partei spricht, gerät sie ins Schwärmen.

Doch vor kurzem hat sie deren Zorn auf sich gezogen. Weiterlesen »

Der Boulevard schlägt zurück

Die Zeitung Österreich hat den Presserat verklagt: Er wolle ihr wirtschaftlich schaden. Kann das stimmen?

Eine Jugendliche stirbt unter mysteriösen Umständen in einem Spital. Die Tageszeitung Heute berichtet darüber – und zeigt ein privates Foto des jungen Mädchens, ohne dessen Mutter um Erlaubnis gefragt zu haben.

In einem Eissalon werden zwei zerstückelte, eingemauerte Männerleichen gefunden. Bald wird die Eissalonbesitzerin, die Exfreundin beider Männer, verhaftet. Die Kronen Zeitung bezeichnet die junge Frau als „Todeshexe“. Weiterlesen »

Der Milchglaspatient

Bessere medizinische Versorgung oder totale Überwachung – was bringt die Elektronische Gesundheitsakte wirklich?

Der Chef in spe zieht die Augenbrauen hoch. „Eigentlich sind Sie der bestqualifizierte Bewerber für den Job“, sagt er. „Aber ich sehe hier, dass Sie HIV-positiv sind. Und mit 19 Jahren waren Sie bei einem Facharzt für Psychiatrie? Tut mir leid, solche Mitarbeiter können wir nicht brauchen.“Solche Szenen kommen vielen Menschen in den Sinn, wenn sie an Elga, die Elektronische Gesundheitsakte, denken. Aber was ist an diesem Horrorszenario dran? Macht Elga uns wirklich zum sprichwörtlichen „gläsernen Patienten“ – oder ist es ein harmloser Weg zu besserer medizinischer Betreuung?
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Eingezwickt und überrollt

Die Wiener fürchten sich, der Boulevard stachelt sie an, die Opposition nutzt ihre Chance. Gefährdet ein kleines Pickerl die erste rot-grüne Koalition Österreichs?
Bericht: Ruth Eisenreich, Benedikt Narodoslawsky
Karlheinz Hora will nichts mehr sagen. Bürgermeister Michael Häupl hat dem SPÖ-Verkehrssprecher den Mund verboten. Christian Deutsch, Landesparteisekretär der SPÖ, schweigt. Auch Hermine Mospointner, die rote Bezirksvorsteherin von Favoriten, will kein Statement abgeben.Die Wiener SPÖ hat ein Problem, 73 Millimeter breit, 54 Millimeter hoch. Das Parkpickerl ist zur größten Herausforderung der rot-grünen Wiener Stadtregierung geworden. Weiterlesen »

Die EU will zeigen, dass sie arbeitet – und schafft sich dazu selbst ab. Kommentar

Die offenen Grenzen sind eine der großen Errungenschaften des vereinigten Europa. Wer heute Anfang 20 ist, kann sich kaum an die Zeit erinnern, in der man im Zug nach Italien oder Deutschland den Pass herzeigen musste; auf die Frage „Was bedeutet die EU für Sie?“ fällt den meisten Europäern zuerst die Reisefreiheit ein.

Diese Reisefreiheit stellen die EU-Innenminister nun infrage. Sie haben eine Reform beschlossen, die Grenzkontrollen innerhalb der Schengenzone (zu der bis auf Großbritannien und Irland alle EU-Staaten  sowie Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein gehören)  für bis zu zwei Jahre am Stück ermöglicht. Weiterlesen »