„Mama, wieso haben wir eigentlich keinen Pool?“

Von Ruth Eisenreich und Lenka Jaloviecova

Was heißt eigentlich „normal“? Ein Smartphone zu besitzen, einen Computer, einen Geschirrspüler, ein Auto? Max, neun Jahre alt, findet ein Schwimmbecken im Garten ziemlich normal. „Mama, wieso haben wir eigentlich keinen Pool?“, fragte er Amanda Schmidt vor wenigen Wochen noch an der Türschwelle, als er vom Spielen mit einem Freund nach Hause kam. Schmidt, so erzählt sie, war kurz sprachlos.

Amanda Schmidt und ihr Sohn, die in Wirklichkeit anders heißen, leben in einer Gegend, in der „Normalität“ etwas anderes bedeutet als im Rest Deutschlands: in Grünwald, dem wohlhabendsten Ort im generell wohlhabenden Landkreis München. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Von Bukarest in den Stadtpark

In Wien sind immer mehr Obdachlose zu sehen. Ist die Armutseinwanderung aus dem Osten schuld?

Die Linzer Caritas hat ihre Türen geschlossen. Ab 1. November dürfen Menschen aus den osteuropäischen EU-Ländern nicht mehr in die „Wärmestube“, ein Tageszentrum für Obdachlose. Selbst Kinder sollen abgewiesen werden.

„Wir können einfach nicht mehr“, rechtfertigt die Leiterin Michaela Haunold diesen Schritt: Seit zwei Jahren steige die Zahl der Menschen aus den neuen EU-Ländern, die die Wärmestube aufsuchen, massiv. Auf 60 von der Landesregierung geförderte Plätze kämen oft 200 Besucher pro Tag. Alle anderen Linzer Einrichtungen würden Osteuropäer schon seit langem abweisen, und in der Wärmestube sei man „nur mehr damit beschäftigt, Eskalationen zu verhindern“. Weiterlesen »

Sparen auf die Artischocken

Undine Zimmer wuchs in einer Hartz-IV-Familie auf und erklärt, warum Armut nicht nur ein Geldproblem ist

Wie leben Menschen, die trotz aller Bemühungen keinen fixen Job finden? Wie bringen sie mit wenigen hundert Euro im Monat ihre Familie durch? Und was passiert mit Kindern, die in solchen Verhältnissen aufwachsen?

Die Öffentlichkeit diskutiert gern über Armut, über Langzeitarbeitslosigkeit und darüber, ob Beihilfen wie die österreichische Mindestsicherung und das deutsche Hartz IV zu lax oder zu strikt gehandhabt werden. Aber die, die diskutieren, sind Politiker und Sozialforscher. Nur selten kommen Betroffene zu Wort, und so bleibt deren Lebenswelt für den Rest der Gesellschaft ein fremdes Universum voller Stereotypen.

Undine Zimmer hat dieses Universum hinter sich gelassen. Die Eltern langzeitarbeitslos und Hartz-IV-Bezieher, die 1979 geborene Tochter hat studiert und war 2012 mit ihrem Text „Meine Hartz-IV-Familie“, entstanden während eines Praktikums beim Zeit Magazin, für den renommierten Henri-Nannen-Preis nominiert. Jetzt hat sie aus dem Essay ein Buch gemacht. Es ist ein sehr persönliches Buch. Weiterlesen »

Die Frau im Tor

Mit 16 hat Susanne Peter die Gruft mitgegründet. 26 Jahre später kämpft sie immer noch für Obdachlose

Wären die Schmalzbrote nicht gewesen, wäre Susanne Peter heute wohl Nonne. Gläubige Katholikin, Ministrantin, in der Pfarrjugend engagiert – sie hatte die besten Voraussetzungen für ihren Traumberuf. Aber da waren die Schmalzbrote, da war der Tee, und da war der Keller unter der Barnabitenkirche. Deshalb ist Susanne Peter, 42, heute keine Nonne, sondern eine Institution der Wiener Obdachlosenhilfe. Weiterlesen »