Der Aufstand der Massen im Namen des Guten

Die Webgemeinschaft bläst zum Angriff, weil ein Obdachloser rüde aus einem Bierlokal geworfen wurde. Angeblich

Bericht: Ruth Eisenreich, Joseph Gepp

Es ist eine empörende Geschichte, die der Informatiker Andreas Marek, 30, von seinem Besuch in einem Bierlokal im Alten AKH erzählt. Eine Geschichte von der Demütigung eines ohnehin Schwachen in der Stiegl-Ambulanz, einer Gaststätte am Uni-Campus, die auf etwas schicker macht als die sie umgebenden Lokale. Read More »

Prekariat und Spaßgesellschaft: Die MayDay-Parade

Der Nachmittag des 1. Mai. Während am Ring längst wieder Straßenbahnen fahren und im Prater Line Dance vorgeführt wird, machen sich am Wallensteinplatz im 20. Bezirk Familien mit Kinderwägen und junge Menschen in bunter Kleidung ihren eigenen Maiaufmarsch. Zur MayDay-Parade versammeln sich seit zehn Jahren in ganz Europa Neue Selbständige, Projekt- und Leiharbeiter – all jene, die sich von der klassischen Arbeiterbewegung nicht vertreten fühlen.

Konkrete Änderungen bewirken würde die Parade wohl nicht, sagt eine Ökologiestudentin im Clownskostüm, aber sie wolle „ein Zeichen setzen“. Sie fürchtet, nach ihrem Abschluss selbst im Prekariat zu landen. Doch nicht alle Besucher sind wegen solcher Überlegungen gekommen. „Ich geh auf jede Demo“, sagt ein Mädchen mit Krone am Kopf, und ein junger Mann hat sich „wegen Japan“ als Sensenmann verkleidet. Was hat denn Japan mit dem Prekariat zu tun? „Dort sind jetzt auch alle arbeitslos. Zahlst mir ein Bier?“.

Falter, 4.5.2011

„Die Kenianer lachen, wenn plötzlich Weiße durch ihr Dorf laufen“

Zum Interview kommt Wolfgang Kreuzbauer im Laufschritt. „Jetzt haben Sie mich sofort erkannt“, grinst er. Seit sieben Jahren läuft der HNO-Arzt beim Vienna City Marathon und betreut im Medical Center ehrenamtlich andere Läufer. Zum Trainieren fliegt er regelmäßig nach Kenia. Dem Falter erzählt er von seinen Erfahrungen mit den Kenianern und dem Stellenwert des Laufens in Afrika. Read More »

Menschen hungern, Brot landet im Müll: Das Team Österreich hilft

Ein Vorhang teilt die ehemalige Interspar-Filiale. Auf der einen Seite: Tische mit Bananenkartons voller Brot, Joghurt, Obst. Auf der anderen: Geduldig Wartende. Frauen mit Kopftuch, alte Männer, ein blondgelocktes Mädchen in Converse-Schuhen. Kinder spielen zwischen ihnen. An einer Öffnung im Vorhang empfängt Eva Fuhrmann eine Frau mit einem roten Haarband und einem langen Rock und geht mit ihr eine Runde um die Tische. Die Frau zeigt auf ein Heidelbeerjoghurt, eine Gurke, fragt nach Semmeln. Fuhrmann packt die gewünschten Waren in den karierten Trolley der Frau und verabschiedet sich am Vorhang von ihr.

Eva Fuhrmann ist ehrenamtliche Helferin bei der Team Österreich Tafel, die das Rote Kreuz und Ö3 vor einem Jahr gegründet haben. Jeden Samstagabend holen sie und ihre Kollegen unverkäufliche – weil bald ablaufende oder falsch etikettierte – Lebensmittel von Firmen und Supermärkten ab und verteilen sie an Bedürftige. „Mir tut es Leid um die weggeworfenen Lebensmittel“, sagt die Hauptschullehrerin, „und ich verbringe meine Zeit lieber sinnvoll, als vor dem Fernseher zu sitzen“. 130 Familien haben Fuhrmann und ihre Kollegen mit Lebensmitteln versorgt, als um 22 Uhr der Warteraum und die Bananenkartons leer sind.

 Falter, 16.3.2011