Festung Australien

Die Regierung will alle Flüchtlinge nach Papua-Neuguinea abschieben – Proteste gegen die Verschärfung des Asylrechts gibt es kaum.

Sie leben dicht gedrängt in überhitzten Zelten und Containern, mit wenig Zugang zu medizinischer Versorgung oder Rechtsberatung: 200 Männer, Frauen und Kinder sind derzeit im Flüchtlingslager der winzigen, zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus Island untergebracht – und in Zukunft werden es wohl deutlich mehr werden.

Denn Australien will alle Flüchtlinge, die per Boot ins Land gelangen wollen, nach Manus Island abschieben. Ihre Asylanträge soll dann Papua-Neuguinea behandeln. Das verkündete vergangene Woche Kevin Rudd, Chef der Labour Party und australischer Premierminister.Weiterlesen »

Im Outback, wo die Erde rot ist

Australien interniert Asylwerber in der Wüste und auf abgelegenen Inseln – sogar Kinder

Stacheldrahtzäune, Wellblechbaracken, Schlafsäle mit Stockbetten, ein Speisesaal mit Neonlicht und grauen Plastikstühlen: So sieht der ehemalige Luftwaffenstützpunkt Curtin auf den Fotos aus, die die australische Menschenrechtskommission bei einem Besuch vor zwei Jahren gemacht hat. Wie die ideale Umgebung für Kinder wirkt Curtin nicht, trotzdem lebt hier seit Anfang Mai eine Handvoll von ihnen: Flüchtlingskinder aus dem Irak, dem Iran, Afghanistan, Pakistan und Sri Lanka.

Curtin liegt mitten im menschenleeren Nordwesten Australiens, dort, wo die Erde rot ist und die Temperatur an einem durchschnittlichen Sommertag auf 39,8° Celsius klettert. Derby, das nächste Dorf, ist 40 Kilometer entfernt, die nächste größere Stadt Darwin 1.700 Kilometer – so weit wie Wien von Athen.Weiterlesen »

Lärm, Geplärr und ein paar Raufereien

Anrainer protestierten vor einem Jahr gegen die Eröffnung von Ute Bocks Flüchtlingsheim. Wie ist es heute?

Eine wütende Frauenstimme hallt durchs Treppenhaus. „Wenn der noch einmal so rausgeht, dann hol ich die Polizei“, flucht Ute Bock. „Der“ ist ein verwirrter Mann, der zuweilen in Unterhosen auf die Straße geht – der zurzeit schwierigste Klient der Flüchtlingshelferin. Er ist einer von 70 Flüchtlingen und Asylwerbern, die seit einem Jahr in der Zohmanngasse im zehnten Wiener Bezirk leben, im neuen alten Haus von Ute Bock.

Bis 1999 leitete Bock hier ein Gesellenheim, in dem sie schwierige Jugendliche betreute, darunter auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Nach einer Drogenrazzia, bei der Heimbewohner verhaftet wurden, wurde Bock suspendiert. Als sie Jahre später öffentlich machte, dass sie – inzwischen zur wichtigsten Flüchtlingshelferin der Nation avanciert – mit finanzieller Unterstützung des Bauunternehmers Hans Peter Haselsteiner zurückkehren würde, machten die Anrainer dagegen mobil. Unterstützt wurden sie von der FPÖ, die mit Stammtischen und hetzerischen Karikaturen Stimmung gegen sie machte.Weiterlesen »

„Wer wegläuft, ist schuldig“: Warum uns Asylwerber so egal sind – Kommentar

Dreckige Klos, dicke grüne Schimmelschichten, verdorbenes Essen: Beinahe im Wochentakt erfahren wir von Menschen, die so hausen. Nicht in einem Schwellenland, sondern mitten in Österreich: im burgenländischen Sieggraben, im Kärntner Wernberg und auf der berüchtigten Saualm.

Ein Stück hinter der Grenze ist die Situation noch schlimmer: In griechischen Flüchtlingslagern schwappen dem Ex-UN-Beauftragten für Folter zufolge Fäkalien in Matratzenlager, wo Mütter mit Babys schlafen; in Ungarn werden jugendliche Asylwerber laut Profil an Leinen gelegt und mit Schlafmitteln ruhiggestellt.

Das Innenministerium und die Länder wollen jetzt erstmals seit 2004 die Bezahlung für Flüchtlingsheimbetreiber erhöhen; man kann hoffen, dass das die hiesige Situation ein wenig entschärfen wird. Im Großen und Ganzen aber ist die Reaktion auf die unfassbaren Zustände immer gleich: Ein paar NGO-Vertreter schreien auf, Politik und Zivilgesellschaft zucken mit den Schultern.Wie kommt das?Weiterlesen »

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Nach 13 Jahren kehrt Ute Bock in die Zohmanngasse zurück. Eine Gruppe von Nachbarn fürchtet sich vor den Flüchtlingen, die sie mitbringt

Neger“, brüllt der kleine alte Mann im grauen Anzug, als Alseny D. an ihm vorbeigeht. „Dich brauchen wir hier nicht.“ Es ist Alseny D.s erster Eindruck von seiner neuen Gegend, gerade ist er zum ersten Mal auf dem Weg zu dem Haus, in dem er ab Anfang Mai wohnen wird.Seine neuen Nachbarn kennt er noch nicht, aber sie wissen schon jetzt: Sie wollen Leute wie ihn hier nicht. Seit Monaten kampagnisieren sie, sammeln Unterschriften und schreiben Protestbriefe.Denn das Haus in der Zohmanngasse im zehnten Bezirk, in das Alseny D. einziehen wird, hat eine Vorgeschichte. Früher war es ein Gesellenheim der Stadt Wien, bis 1999 hieß die Heimleiterin Ute Bock. Sie nahm hier Menschen auf, die sonst niemand wollte, darunter mehr und mehr Flüchtlinge.

Unter den Bewohnern waren auch Dealer. Irgendwann, so berichten Anwohner, nahm das Drogenproblem überhand, auf der Straße sollen Spritzen herumgelegen sein. Die Polizei führte eine Razzia durch, die Operation Spring (siehe Marginalspalte), verhaftete dutzende Heimbewohner und stellte sackerlweise Drogen sicher.Weiterlesen »