A belated fight

Ireland has the EU’s strictest abortion laws. Now, resistance is growing.

(A translation of this piece for the German daily paper “Süddeutsche Zeitung”. The trip to Ireland was made possible through a grant by the Karl Gerold Foundation.)

Tara Flynn makes a living off being funny. She writes columns and books, she acts in comedy series, she’s being invited to radio shows. But at her most important public appearance in recent months, on a sunny autumn afternoon in a park in Dublin, her voice broke, and nobody laughed. It was the start of the March for Choice, a pro-choice demonstration. „I had an abortion“, Tara Flynn said. „I am not a murderer. I am not a criminal.“ With her appearance, she put herself at the forefront of a fight that has long been settled in most of Europe, yet is only just starting in Ireland.Weiterlesen »

Später Kampf

Nirgendwo in Europa sind die Abtreibungsgesetze so scharf wie in Irland. Jetzt wächst der Widerstand. Zu Besuch bei Aktivisten.

Tara Flynn lebt vom Witzigsein. Sie schreibt Kolumnen und Bücher, spielt in Comedyserien mit, wird in Radioshows eingeladen. Aber bei ihrem wichtigsten Auftritt der vergangenen Monate, in einem kleinen Park in Irlands Hauptstadt Dublin, da lachte niemand, und Flynn brach die Stimme weg. „Ich habe abgetrieben“, sagte sie zum Auftakt des March for Choice, einer Demonstration für das Recht auf Abtreibung. „Ich bin keine Mörderin, ich bin keine Kriminelle.“ Sie stellte sich mit ihrem Auftritt an die Spitze eines Kampfs, der im Großteil Europas längst entschieden ist und in Irland gerade erst beginnt. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 31.3.2016
Die Recherchereise für diesen Text wurde von der Karl-Gerold-Stiftung bezahlt.

 

Bei Krankheit Abschiebung

Hunderttausende Migranten leben ohne Papiere in Deutschland. Werden Sie krank, trauen sie sich kaum zum Arzt – und gehen dabei ein hohes gesundheitliches Risiko ein.

Da war zum Beispiel der 13-Jährige, der einfach verschwand. Tagelang hatte er Bauchschmerzen und Fieber, die Familie versuchte es mit Wärmflasche und Schmerztabletten, dann endlich brachte der Vater ihn ins Krankenhaus, erzählt der Kinderarzt Alex Rosen. Diagnose: Schwere Blinddarmentzündung. Der Junge wurde notoperiert. „Nach der Operation kann einiges schiefgehen“, sagt Rosen, „deshalb liegt man noch ein paar Tage im Krankenhaus und bekommt Antibiotika.“ Aber einen Tag später war der Junge weg. „Er hatte wohl Angst, dass am nächsten Tag die Polizei mit Stempelkissen für die Fingerabdrücke vor der Tür steht“, sagt Rosen. „In anderen Krankenhäusern kommt das vor.“

Dann hätte der ganzen Familie die Abschiebung gedroht. Denn der Junge war ein undokumentierter Migrant. So nennt man Menschen, die ohne Wissen der Behörden in Deutschland leben – weil sie heimlich eingereist sind, weil sie bleiben, wenn ihr Visum abläuft oder weil ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Hunderttausende Menschen ohne Papiere leben Schätzungen zufolge in Deutschland, darunter bis zu 30 000 Kinder, manche sind hier geboren. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 13.5.2016

„Hauptsache, man hat die Behinderten nicht gesehen“

Bis in die 1980er-Jahre wurden in Wien behinderte Kinder gequält. Der Zeitzeuge und Psychiater Ernst Berger sucht nach Erklärungen

Behinderte Kinder wurden geschlagen, in Zwangsjacken gesteckt, mit Beruhigungsmitteln niedergespritzt, im eigenen Kot liegengelassen: Im Pavillon 15 am Steinhof, dem heutigen Otto-Wagner-Spital, war das bis in die 1980er-Jahre hinein Alltag. Nachdem die Krankenschwester Elisabeth Pohl im Falter von diesen Zuständen erzählt hatte, untersuchte eine Arbeitsgruppe der Stadt Wien die Vorwürfe. Doch ihr Untersuchungsbericht bleibt geheim. Der Kinderpsychiater Ernst Berger erklärt, wie es zu Situationen wie der im Pavillon 15 kommen konnte. Weiterlesen »

Geheimsache Steinhof

Noch in den 1980er-Jahren wurden in Wien behinderte Kinder misshandelt. Die Stadt dilettiert bei der Klärung schwerster Vorwürfe. Nun bricht eine zweite Krankenschwester ihr Schweigen

Recherche: Ruth Eisenreich, Florian Klenk

Transparenz hatte die rot-grüne Stadtregierung versprochen. Doch jetzt, wo es unangenehm wird, wird das Versprechen gebrochen. Der elf Seiten starke „Schlussbericht“ des städtischen Krankenanstaltenverbunds (KAV), betreffend die Behandlung behinderter Kinder am Steinhof, wird nicht veröffentlicht, zum Wohle der Patienten, wie es heißt.

Das ist eine Ausrede. In dem Endbericht sind gar keine persönlichen Patientendaten enthalten, wie der Falter recherchierte. Die Geheimniskrämerei schützt bloß die Interessen der Stadt Wien, die offenbar keine neue Debatte über Misshandlungen in städtischen Einrichtungen führen will. Weiterlesen »