Auch wenn es wehtut: Es gibt Gerichte nicht ohne Grund – Kommentar

Beeindruckt blickte die Welt letzte Woche nach Norwegen, wo ein fairer, rechtsstaatlicher Prozess gegen den 77-fachen Mörder Anders Behring Breivik zu Ende ging. Das Gericht war der Maxime gefolgt, die Premier Jens Stoltenberg nach den Anschlägen vor einem Jahr formuliert hatte: Das norwegische Volk werde an seinen Werten festhalten.

Zur selben Zeit schaute Österreich auf einen anderen Verbrecher: Ein Gericht hatte einem verurteilten Vergewaltiger eine Fußfessel gewährt. Sein Opfer wandte sich an die Justizministerin und die Medien. “Er muss doch büßen für das, was er mir angetan hat“, sagte es im Interview mit Österreich. Read More »

Die Fesseln der Justiz

Der Fall eines Vergewaltigers, der nicht ins Gefängnis muss, empört das Land. Ist die Fußfessel gescheitert?

Ein Mann nimmt ein 15-jähriges Mädchen aus einer zerrütteten Familie bei sich auf und vergewaltigt es mehrmals. Die junge Frau erstattet Anzeige, der Mann wird verurteilt – und muss trotzdem nicht ins Gefängnis. Sein Haftantritt hatte sich jahrelang verzögert; jetzt gestattet ihm ein Gericht, seine Strafe mit einer Fußfessel zu Hause abzubüßen.

Der Fall hat für große Empörung gesorgt; Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) persönlich hat veranlasst, dass er noch einmal geprüft wird. Kein Wunder: Opfer sexueller Übergriffe leiden oft ihr ganzes Leben, immer wieder werden die niedrigen Verurteilungsraten und die oft geringen Strafen für Sexualstraftäter kritisiert – und jetzt soll einer ohne Gefängnisstrafe davonkommen, obwohl das Gericht seine Schuld als erwiesen ansah, obwohl er keine Reue zeigt? Read More »