Von Stalkern und Bettnässern

Der Kurier-Chef zieht gegen den Herausgeber von Österreich vor Gericht – und umgekehrt. Es geht auch um die Bestechlichkeit des Boulevards

Ganz wohl fühlt sich Helmut Brandstätters Anwalt nicht. Gerade erst haben er und sein Mandant Zimmer 1911 des Wiener Handelsgerichts verlassen, in dem der Kurier-Chefredakteur zu einer unvorsichtigen Aussage Stellung nehmen musste; jetzt wollen sie nicht gleich die nächste Klage riskieren.

Also suchen Brandstätter und sein Anwalt bei einem Mineralwasser in der Cafeteria möglichst unverfängliche Formulierungen: “Er verkauft Anzeigen mit Methoden, die in der Branche immer wieder diskutiert werden – so kann man das ausdrücken, oder?“ Read More »

Der Boulevard schlägt zurück

Die Zeitung Österreich hat den Presserat verklagt: Er wolle ihr wirtschaftlich schaden. Kann das stimmen?

Eine Jugendliche stirbt unter mysteriösen Umständen in einem Spital. Die Tageszeitung Heute berichtet darüber – und zeigt ein privates Foto des jungen Mädchens, ohne dessen Mutter um Erlaubnis gefragt zu haben.

In einem Eissalon werden zwei zerstückelte, eingemauerte Männerleichen gefunden. Bald wird die Eissalonbesitzerin, die Exfreundin beider Männer, verhaftet. Die Kronen Zeitung bezeichnet die junge Frau als “Todeshexe“. Read More »

Radiowellen in 68 Sprachen

Ob Amharisch, Birmanisch, Tongaisch oder Deutsch: Beim australischen Radiosender SBS bekommen Migranten Nachrichten und Unterhaltung in ihrer Muttersprache

7 Uhr Griechisch, 8 Uhr Slowenisch, 9 Uhr Vietnamesisch, 10 Uhr Mandarin, 11 Uhr Französisch, 12 Uhr Albanisch. Was wie der Lehrplan einer Sprachschule klingt, ist das dienstägliche Sendeschema des öffentlich-rechtlichen australischen Radiosenders SBS (Special Broadcasting Service). In 68 Sprachen sendet das nach Eigenaussage sprachlich diverseste Medienunternehmen der Welt; jede Sprachgruppe hat, je nach Anzahl der Sprecher in Australien, ihres Alters, ihrer Englischkenntnisse, der Arbeitslosenrate und der Dauer ihres Aufenthalts, eine gewisse Anzahl an Stunden pro Woche zur Verfügung. Eine für Assyrisch, Kurdisch oder Litauisch, 14 für Griechisch, Italienisch oder Vietnamesisch.

SBS ist die mediale Verkörperung der australischen Multikulturalismus-Politik, die das Land seit den 1970er Jahren prägt. Read More »

Mit einem Kopf voller Ideen und leeren Taschen

Eine Gruppe junger Journalisten will die Medienlandschaft aufpeppen und sagt schlechten Arbeitsbedingungen den Kampf an

Zuerst der offene Brief, dann das Onlinemagazin, nun die Podiumsdiskussion: Seit Wochen sorgt das Team von Paroli überall, wo Journalisten zusammenkommen, für hitzige Debatten. Die jungen Journalisten wollen die prekären Arbeitsbedingungen in der Branche – gegen die sich im Jänner auch die freien Mitarbeiter des ORF auflehnten – nicht länger hinnehmen und protestieren lautstark. Read More »

“Du bist jetzt das Alpenmädel!“

Die große Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi, 80, über Kommunismus, Adel, Machos und ihre Heimat

Interview: Ruth Eisenreich, Sibylle Hamann

Adelsspross, Flüchtlingskind, Chronikreporterin, Korrespondentin, Osteuropa-Expertin, Deutschlehrerin, Vermittlerin zwischen Kulturen: Barbara Coudenhove-Kalergis bewegtes Leben ist eng mit der mitteleuropäischen Zeitgeschichte und der des österreichischen Journalismus verknüpft. Zu ihrem 80. Geburtstag lud sie den Falter zum Interview. Read More »

Der Rücktritt war nur der erste Schritt

Der ORF braucht nach dem Fall Pelinka Reformen. Andere Länder zeigen vor, wie ein unabhängiger Staatssender organisiert werden kann

Text: Ruth Eisenreich, Nina Horaczek, Benedikt Narodoslawsky
Mitarbeit: Ingrid Brodnig

Die Arbeit in der Mittagspause hat sich gelohnt. Niko Pelinka gibt auf. Der Kampf ist gewonnen.

Statt in die Kantine waren insgesamt 55 ORF-Redakteure über Tage hinweg in den Newsroom gehuscht und hatten ihren Protest in eine Privatkamera gesprochen. Das Ergebnis: ein Video, das mit 500.000 Klicks die Youtube-Charts erklomm und Pelinka den Job kostete. Der enge Vertraute von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas und Leiter des SPÖ-Freundeskreises im Stiftungsrat wurde für die Redakteure wie auch für die Öffentlichkeit zum Symbol für Parteibuchwirtschaft im laut Gesetz unabhängigen Rundfunk. Read More »

“Gratis zu sein, reicht nicht“

Der US-Medienexperte Bill Mitchell über die Zukunft des Journalismus im Netz und die zaudernden österreichischen Journalisten

Ist die Zeitung am Ende? Können Journalisten und Leser mit Twitter, Facebook und Co die Medienlandschaft revolutionieren? Wieso gibt es hierzulande so wenig Innovation im Pressewesen? Bill Mitchell ist Experte für neue Medien, er unterrichtet am Poynter-Institut in den USA und hielt kürzlich an der Wiener Fachhochschule für Journalismus einen Vortrag zu einer Frage, die Verlage heute beschäftigt: Wie kann man mit Journalismus in einer medialen Gratiskultur noch Geld verdienen? Read More »