„Wir wollten Österreich retten“

Teil zwei der Reihe „Erzählen Sie mir“: Edith Wein (86) erzählt über die Selbstverständlichkeit, mit der sie nach dem Krieg Österreich wieder aufbauen wollte. Und die harte Realität als alleinerziehende, geschiedene Mutter zweier Söhne.

NU: Sie sind 1938 mit 14 Jahren nach England geflohen. Wie war Ihre erste Zeit dort?

Wein: Eine Engländerin, die Kundin im Modesalon meiner Mutter war, hat mich in Darlington, im Norden Englands, in ein College für Mittelstandskinder eingeschrieben. Wir haben Wäscherei gehabt, Kochen, aber auch andere Fächer. Es war nicht einfach, sich in dem Alter in einem englischen College zurechtzufinden, aber ich habe sehr viel davon profitiert. Ich habe einige gute Freundinnen gehabt. Eine davon, die Rosemary, habe ich vor ungefähr zehn Jahren gesucht, wir haben uns dann in London getroffen und sind noch immer in Kontakt.Weiterlesen »

Das kleine Glück der Parteien: 1,2 Millionen

Wie viel Geld kassieren Parteien über ihnen nahe stehende Zeitungen von der Glücksspielindustrie?

Inseratenrecherche: Ruth Eisenreich, Peter Sim

„Oft genügt ein einfacher Impuls, um Dinge in Bewegung zu bringen. (…) Novomatic setzt daher gerade jetzt Impulse.“ Fast könnte man meinen, das Glücksspielunternehmen Novomatic spräche hier von seiner eigenen Lobbyingstrategie. Doch dieses Inserat, das im Frühling 2009 im SPÖ-nahen VOR-Magazin erschien, bewarb das von Novomatic gesponserte Tanzfestival Impulstanz.

Seit Jahren wird diskutiert, ob und in welcher Form Glücksspielunternehmen versuchen, durch finanzielle Zuwendungen an Parteien oder vorgelagerte Organisationen und Unternehmen die Gesetzgebung zu beeinflussen oder zumindest für wohlwollende Stimmung zu sorgen. Zahlungen an Lobbyisten und „Studien“-Aufträge an parteinahe Werbefirmen (BZÖ) sind mittlerweile amtsbekannt. Doch ist das alles?Weiterlesen »

Das neue Fremdenrechtspaket

Einen Kurswechsel erwarten manche durch die Schaffung eines Integrationsstaatssekretariats. Das Fremdenrechtspaket, das am 29. April im Nationalrat beschlossen werden soll, spricht eine andere Sprache. Der Falter erklärt die wichtigsten Punkte.

Wozu wird die Rot-Weiß-Rot-Card eingeführt?

Mit diesem Punktesystem – Kriterien: Alter, Qualifikation, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung und Gehalt – will Österreich gezielt jene Zuwanderer aussuchen, die der Arbeitsmarkt braucht. Ähnliche Systeme haben sich in Ländern wie Australien und Kanada bewährt. Die strengen Regeln für den Familiennachzug schrecken allerdings ab.Weiterlesen »

Vertraute fern der Heimat

Vor zehn Jahren startete das Projekt „Connecting People“. 200 Österreicher haben seither Patenschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernommen.

An den Schafskäse erinnert sich Hannes Dangl noch genau: „Da machst du das Einlegeglas auf, und es riecht nach Tier“. Constantin Ivanescu (Name geändert), der moldawische Patensohn der Familie Dangl, hatte den Käse von seinen Eltern geschickt bekommen und bei einem Ausflug stolz präsentiert. „Wir sind am Laaerberg gesessen, mit Blick Richtung Schwechat“, sagt Sabine König-Dangl, „und da hat Constantin von seiner Flucht erzählt, bei der er die Raffinerie zum ersten Mal gesehen hat“. Weiterlesen »

Die schwedischen Doppelgänger der Gaddafi-Geschwister

Das Türschild ist unbeschriftet, Bewegungsmelder und Kameras überwachen das weiße Haus im Nobelbezirk. Der Besitzer: Saif al-Islam al-Gaddafi, zweiter Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi und bis vor Kurzem als dessen Nachfolger gehandelt. Gerüchte, wonach Teile seiner Familie gerade in Österreich seien, wies Innenministerin Maria Fekter in der Pressestunde zurück: „zumindest nicht unter dem Namen Gaddafi“.

Am unteren Ende des steilen Gässchens hält ein schwarzer Lexus, ein Chauffeur mit Ray-Ban-Sonnenbrille öffnet die Tür. Ein stämmiger Mann mit zurückgegeltem schwarzem Haar steigt aus. Ihm folgt eine Frau, elegant gekleidet, ein locker sitzendes Kopftuch bedeckt einen Teil ihrer blondierten Haare. Die beiden gehen auf das weiße Haus zu. Sie seien Schweden, erklären sie, und würden sich hier, am äußersten Rande Wiens, „nur umschauen“. Sie sehen Aisha und Hannibal al-Gaddafi, der Tochter und dem fünften Sohn des Diktators, zum Verwechseln ähnlich.

Falter, 2.3.2011