Die Frau im Tor

Mit 16 hat Susanne Peter die Gruft mitgegründet. 26 Jahre später kämpft sie immer noch für Obdachlose

Wären die Schmalzbrote nicht gewesen, wäre Susanne Peter heute wohl Nonne. Gläubige Katholikin, Ministrantin, in der Pfarrjugend engagiert – sie hatte die besten Voraussetzungen für ihren Traumberuf. Aber da waren die Schmalzbrote, da war der Tee, und da war der Keller unter der Barnabitenkirche. Deshalb ist Susanne Peter, 42, heute keine Nonne, sondern eine Institution der Wiener Obdachlosenhilfe. Weiterlesen »

Mohnkampf

Ein Sikh verdächtigt eine Wiener Blumenhandlung, schwungvollen Handel mit halblegalen Drogen zu betreiben

Auf der hellgrünen Tür des Geschäfts, das angeblich Familien zerstört, klebt ein „Don’t worry, be happy“-Sticker. Ein Mann mit Turban betritt den Verkaufsraum, drückt dem Besitzer wortlos einen Zehneuroschein in die Hand, bekommt ebenso wortlos einen der prall gefüllten Säcke gereicht, die sich hinter dem Tresen stapeln, und ist schon wieder draußen.

Aus dem grauen Sack purzeln Dutzende hellbraune Kapseln – sie sehen aus wie etwas, das man bei einem Herbstspaziergang einsammelt. Wegen dieser Kapseln hat Sukhbir Singh dem Geschäft mit der hellgrünen Tür den Kampf angesagt. Weiterlesen »

Gekuschelt wird nicht

Die Fußfesseldebatte stellt den liberalen Strafvollzug infrage. Wie hart müssen Gefängnisse sein? Eine Erkundung

„Schwere Körperverletzung“, sagt der Junge und schnalzt eine Spielkarte auf den Tisch. Er ist klein gewachsen, dunkelhaarig, kaum älter als 15 oder 16 Jahre, ein unscheinbarer Bursche im schwarzen Shirt.

Er sitzt hier, weil er einen Jugendlichen verprügelt hat. Es war keine harmlose Schulhofrauferei: 20-mal hat er seinem Opfer mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er hat auch nicht aufgehört, als das Opfer wehrlos am Boden lag.

Wie soll man so einen Schläger bestrafen? Bei Wasser und Brot in Dunkelhaft? Der Staat hat anders entschieden. Der Bursche kann in der Jugendabteilung der Justizanstalt Leoben in einer schlichten, hellen Wohnküche sitzen und Karten spielen. Ist das Strafe genug? Weiterlesen »

Von Stalkern und Bettnässern

Der Kurier-Chef zieht gegen den Herausgeber von Österreich vor Gericht – und umgekehrt. Es geht auch um die Bestechlichkeit des Boulevards

Ganz wohl fühlt sich Helmut Brandstätters Anwalt nicht. Gerade erst haben er und sein Mandant Zimmer 1911 des Wiener Handelsgerichts verlassen, in dem der Kurier-Chefredakteur zu einer unvorsichtigen Aussage Stellung nehmen musste; jetzt wollen sie nicht gleich die nächste Klage riskieren.

Also suchen Brandstätter und sein Anwalt bei einem Mineralwasser in der Cafeteria möglichst unverfängliche Formulierungen: „Er verkauft Anzeigen mit Methoden, die in der Branche immer wieder diskutiert werden – so kann man das ausdrücken, oder?“ Weiterlesen »

Die Fesseln der Justiz

Der Fall eines Vergewaltigers, der nicht ins Gefängnis muss, empört das Land. Ist die Fußfessel gescheitert?

Ein Mann nimmt ein 15-jähriges Mädchen aus einer zerrütteten Familie bei sich auf und vergewaltigt es mehrmals. Die junge Frau erstattet Anzeige, der Mann wird verurteilt – und muss trotzdem nicht ins Gefängnis. Sein Haftantritt hatte sich jahrelang verzögert; jetzt gestattet ihm ein Gericht, seine Strafe mit einer Fußfessel zu Hause abzubüßen.

Der Fall hat für große Empörung gesorgt; Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) persönlich hat veranlasst, dass er noch einmal geprüft wird. Kein Wunder: Opfer sexueller Übergriffe leiden oft ihr ganzes Leben, immer wieder werden die niedrigen Verurteilungsraten und die oft geringen Strafen für Sexualstraftäter kritisiert – und jetzt soll einer ohne Gefängnisstrafe davonkommen, obwohl das Gericht seine Schuld als erwiesen ansah, obwohl er keine Reue zeigt?Weiterlesen »