Der Milchglaspatient

Bessere medizinische Versorgung oder totale Überwachung – was bringt die Elektronische Gesundheitsakte wirklich?

Der Chef in spe zieht die Augenbrauen hoch. „Eigentlich sind Sie der bestqualifizierte Bewerber für den Job“, sagt er. „Aber ich sehe hier, dass Sie HIV-positiv sind. Und mit 19 Jahren waren Sie bei einem Facharzt für Psychiatrie? Tut mir leid, solche Mitarbeiter können wir nicht brauchen.“Solche Szenen kommen vielen Menschen in den Sinn, wenn sie an Elga, die Elektronische Gesundheitsakte, denken. Aber was ist an diesem Horrorszenario dran? Macht Elga uns wirklich zum sprichwörtlichen „gläsernen Patienten“ – oder ist es ein harmloser Weg zu besserer medizinischer Betreuung?
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Eingezwickt und überrollt

Die Wiener fürchten sich, der Boulevard stachelt sie an, die Opposition nutzt ihre Chance. Gefährdet ein kleines Pickerl die erste rot-grüne Koalition Österreichs?
Bericht: Ruth Eisenreich, Benedikt Narodoslawsky
Karlheinz Hora will nichts mehr sagen. Bürgermeister Michael Häupl hat dem SPÖ-Verkehrssprecher den Mund verboten. Christian Deutsch, Landesparteisekretär der SPÖ, schweigt. Auch Hermine Mospointner, die rote Bezirksvorsteherin von Favoriten, will kein Statement abgeben.Die Wiener SPÖ hat ein Problem, 73 Millimeter breit, 54 Millimeter hoch. Das Parkpickerl ist zur größten Herausforderung der rot-grünen Wiener Stadtregierung geworden. Weiterlesen »

Die EU will zeigen, dass sie arbeitet – und schafft sich dazu selbst ab. Kommentar

Die offenen Grenzen sind eine der großen Errungenschaften des vereinigten Europa. Wer heute Anfang 20 ist, kann sich kaum an die Zeit erinnern, in der man im Zug nach Italien oder Deutschland den Pass herzeigen musste; auf die Frage „Was bedeutet die EU für Sie?“ fällt den meisten Europäern zuerst die Reisefreiheit ein.

Diese Reisefreiheit stellen die EU-Innenminister nun infrage. Sie haben eine Reform beschlossen, die Grenzkontrollen innerhalb der Schengenzone (zu der bis auf Großbritannien und Irland alle EU-Staaten  sowie Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein gehören)  für bis zu zwei Jahre am Stück ermöglicht. Weiterlesen »

Der Fall Placidus

Ein Jünger Hans Hermann Groërs stürzt sich vom Turm seines Klosters. 26 Jahre später fragt seine Schwester: Warum?

Festungsgleich liegt das Benediktinerstift Göttweig auf einem Hügel über der Wachau. Zuerst taucht ein gelber Zwiebelturm zwischen den Baumwipfeln auf, dann eine meterhohe Steinmauer. Von den Fenstern der Türme aus überblickt man Felder und Dörfer, die Donau schlängelt sich durch das Tal.

Aus einem dieser Fenster sprang vor 26 Jahren, am 2. Jänner 1986, ein junger Mann. Andreas Kubalek hieß er, mit Ordensnamen Frater Placidus. 22 Jahre alt, schwer depressiv, glühender Anhänger des pädophilen späteren Kardinals Hans Hermann Groër.

Ein Vierteljahrhundert später sitzt seine Stiefschwester Elisabeth Weidenthaler in einem Wiener Innenstadtcafé und spricht von gierigen Äbten, geheimen Konten und verschollenen Akten. Wer ihre Geschichte hört, der denkt unweigerlich an Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“.Weiterlesen »

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Nach 13 Jahren kehrt Ute Bock in die Zohmanngasse zurück. Eine Gruppe von Nachbarn fürchtet sich vor den Flüchtlingen, die sie mitbringt

Neger“, brüllt der kleine alte Mann im grauen Anzug, als Alseny D. an ihm vorbeigeht. „Dich brauchen wir hier nicht.“ Es ist Alseny D.s erster Eindruck von seiner neuen Gegend, gerade ist er zum ersten Mal auf dem Weg zu dem Haus, in dem er ab Anfang Mai wohnen wird.Seine neuen Nachbarn kennt er noch nicht, aber sie wissen schon jetzt: Sie wollen Leute wie ihn hier nicht. Seit Monaten kampagnisieren sie, sammeln Unterschriften und schreiben Protestbriefe.Denn das Haus in der Zohmanngasse im zehnten Bezirk, in das Alseny D. einziehen wird, hat eine Vorgeschichte. Früher war es ein Gesellenheim der Stadt Wien, bis 1999 hieß die Heimleiterin Ute Bock. Sie nahm hier Menschen auf, die sonst niemand wollte, darunter mehr und mehr Flüchtlinge.

Unter den Bewohnern waren auch Dealer. Irgendwann, so berichten Anwohner, nahm das Drogenproblem überhand, auf der Straße sollen Spritzen herumgelegen sein. Die Polizei führte eine Razzia durch, die Operation Spring (siehe Marginalspalte), verhaftete dutzende Heimbewohner und stellte sackerlweise Drogen sicher.Weiterlesen »