Radikale Hügeljugend

Israel ist entsetzt über nationalreligiöse Siedler, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Die Atmosphäre ist aufgeheizt – nun will die Regierung gegen jüdische Terrorgruppen härter durchgreifen.

In Jerusalem wird ein 16-jähriges Mädchen bei einer Homosexuellen-Parade erstochen, im Westjordanland stirbt ein 18 Monate alter palästinensischer Junge bei einem Brandanschlag. Die Täter sind offenbar Menschen, die sich als gläubige Juden sehen, sich aber um die zehn Gebote nicht scheren. Als Israels Präsident Reuven Rivlin die Anschläge scharf kritisiert, erhält er Morddrohungen.

Der Jerusalemer Täter kommt aus einer anderen Strömung in der israelischen Gesellschaft als die mutmaßlichen Brandstifter. Er ist wohl ein Einzeltäter, erst vor Kurzem wurde er aus dem Gefängnis entlassen: Schon 2005 hatte er bei der Gay Pride Parade drei Menschen verletzt. Er ist ein Charedi, ein Ultraorthodoxer. Die Charedim machen Schätzungen zufolge knapp zehn Prozent der Bevölkerung aus und leben – ob in Israel oder außerhalb – in abgeschotteten Gemeinschaften streng nach den jüdischen Gesetzen. Traditionell lehnten sie den Staat Israel ab, weil die Juden ihrer Ansicht nach das gelobte Land erst nach der Ankunft des Messias wieder in Besitz nehmen dürften. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 6.8.2015

„Hauptsache, man hat die Behinderten nicht gesehen“

Bis in die 1980er-Jahre wurden in Wien behinderte Kinder gequält. Der Zeitzeuge und Psychiater Ernst Berger sucht nach Erklärungen

Behinderte Kinder wurden geschlagen, in Zwangsjacken gesteckt, mit Beruhigungsmitteln niedergespritzt, im eigenen Kot liegengelassen: Im Pavillon 15 am Steinhof, dem heutigen Otto-Wagner-Spital, war das bis in die 1980er-Jahre hinein Alltag. Nachdem die Krankenschwester Elisabeth Pohl im Falter von diesen Zuständen erzählt hatte, untersuchte eine Arbeitsgruppe der Stadt Wien die Vorwürfe. Doch ihr Untersuchungsbericht bleibt geheim. Der Kinderpsychiater Ernst Berger erklärt, wie es zu Situationen wie der im Pavillon 15 kommen konnte. Weiterlesen »

Geheimsache Steinhof

Noch in den 1980er-Jahren wurden in Wien behinderte Kinder misshandelt. Die Stadt dilettiert bei der Klärung schwerster Vorwürfe. Nun bricht eine zweite Krankenschwester ihr Schweigen

Recherche: Ruth Eisenreich, Florian Klenk

Transparenz hatte die rot-grüne Stadtregierung versprochen. Doch jetzt, wo es unangenehm wird, wird das Versprechen gebrochen. Der elf Seiten starke „Schlussbericht“ des städtischen Krankenanstaltenverbunds (KAV), betreffend die Behandlung behinderter Kinder am Steinhof, wird nicht veröffentlicht, zum Wohle der Patienten, wie es heißt.

Das ist eine Ausrede. In dem Endbericht sind gar keine persönlichen Patientendaten enthalten, wie der Falter recherchierte. Die Geheimniskrämerei schützt bloß die Interessen der Stadt Wien, die offenbar keine neue Debatte über Misshandlungen in städtischen Einrichtungen führen will. Weiterlesen »

Pavillon 15: keine Entschuldigung, keine Entschädigung

Bis in die 80er-Jahre wurden in Wiens Psychiatrie behinderte Kinder misshandelt. Ein Untersuchungsbericht dazu bleibt geheim

Die Akten und Zeitzeugengespräche schockierten sogar die Profis: „Ich war immer wieder erschüttert“, sagt Susanne Drapalik, Ärztin und Bereichsleiterin im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), über ihre Recherchen zum Umgang mit behinderten Kindern und Jugendlichen in Wien von den 1960ern bis in die 1980er.

Es war im Mai 2013, da meldete sich die Krankenschwester Elisabeth Pohl beim Falter. Ab 1981 hatte sie im Pavillon 15 des heutigen Otto-Wagner-Spitals gearbeitet, wo 40 Jahre zuvor die Nazis 800 Kinder ermordet hatten, und grausige Missstände erlebt: Behinderte Kinder und Jugendliche wurden mit starken Medikamenten ruhig gestellt oder lagen den ganzen Tag, nackt und ohne Bettzeug, gefesselt in ihrem eigenen Kot und Erbrochenen. Manche kamen jahrelang nicht ins Freie. „Ich hab damals oft gedacht: Wenn ich gezwungen wäre, mein Kind hier abzugeben, ich würde es mit dem Polster ersticken“, sagte Pohl. Weiterlesen »

Der Gazakrieg in Bischofshofen

Bei einem Fußballmatch stürmen Jugendliche das Spielfeld und attackieren israelische Kicker. Was ist los mit den Austrotürken?

Seit Ende Juli kennt man die Salzburger Kleinstadt Bischofshofen sogar bei BBC und CNN. Das verdankt sie einem Match am örtlichen Fußballplatz: Der OSC Lille führt gerade 2:0 gegen Maccabi Haifa, als plötzlich eine Gruppe Jugendlicher mit Palästinaflaggen aufs Feld stürmt und sich mit den israelischen Spielern prügelt. Es sind keine Neonazis, sondern Teenager mit türkischen Wurzeln. Weiterlesen »