Pavillon 15, ein Jahr danach: Die Stadträtin prüft einen Bericht

Exakt ein Jahr ist es her, dass die Krankenschwester Elisabeth Pohl dem Falter von ihren Erlebnissen im Kinderpavillon am Steinhof erzählte: Im Pavillon 15, wo der NS-Arzt Heinrich Gross Menschenexperimente angestellt hatte, wurden ihr zufolge noch in den frühen 1980er-Jahren behinderte Kinder misshandelt, mit Medikamenten niedergespritzt und nackt und ohne Bettzeug in ihrem eigenen Kot liegengelassen.

Als Reaktion auf den Falter-Bericht setzte der Wiener Krankenanstaltenverbund eine Arbeitsgruppe ein. Ihre Mitglieder unterstanden der Stadt Wien; die von der ÖVP erhobene Forderung nach einer externen Expertenkommission wurde im Gemeinderat abgelehnt. Es sollte Monate und weitere Falter-Berichte dauern, bis die Arbeitsgruppe Elisabeth Pohl endlich näher befragte. Jetzt aber ist ihr Bericht für Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) fertig. “Der Bericht liegt vor und wird derzeit geprüft”, heißt es aus dem Stadtratsbüro.

Falter, 28.5.2014

Wenn Völkermord verjährt

19 Jahre ist das Massaker von Srebrenica her. Einige Täter könnten bald straffrei ausgehen

Über 8000 ermordete Männer und Buben, Vergewaltigungen, Deportationen: Das Massaker von Srebrenica gilt als schwerstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Juli 2015 jährt es sich zum 20. Mal. Und dann, sagt der Historiker Winfried Garscha, könnten sich nach heutigem Recht viele der Täter in Österreich “hinstellen und sagen: ‘Ich habe in Srebrenica eigenhändig 25 Menschen umgebracht’ – und ihnen würde nichts passieren”.

Viele Täter, sagt Garscha, seien Jugendliche oder junge Männer gewesen; einige seien wohl später in Österreich gelandet. Ihnen könnte bald eine kleine Ungenauigkeit im österreichischen Strafgesetzbuch zugute kommen. Read More »

Pavillon 15: Wie die Stadt Wien die Aufarbeitung schwerster Vorwürfe unterlässt

Netzbetten, Zwangsjacken, Medikamente im Brei: Ende Mai berichtete die ehemalige Mitarbeiterin Elisabeth Pohl im Falter, wie am Steinhof noch in den 1980er-Jahren behinderte Kinder vernachlässigt und gequält wurden. Aus dem Büro von Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hieß es damals, man wisse nichts von den Ereignissen im Pavillon 15 des heutigen Otto-Wagner-Spitals, werde sich aber um eine Aufarbeitung bemühen. Tatsächlich richtete der zuständige Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) bald eine Arbeitsgruppe ein. Eine interne allerdings, was die Stadtopposition misstrauisch machte: Die ÖVP forderte – erfolglos – eine unabhängige Expertenkommission.

Vier Monate sind inzwischen vergangen – was hat die Arbeitsgruppe weitergebracht? Read More »

Pavillon 15: Prüft die Stadt sich selbst?

Seit kurzem gibt es eine interne Arbeitsgruppe zum Steinhof. Der ÖVP Wien genügt das nicht

Können Angestellte der Stadt Wien Fehler der Stadt Wien aufklären? Nein, findet die Wiener ÖVP.

Nachdem eine Krankenschwester im Falter über bis in die 1980er-Jahre andauernde Misshandlungen behinderter Kinder am Pavillon 15 des Steinhofs berichtet hatte, setzte der Krankenanstaltenverbund (KAV) eine Arbeitsgruppe dazu ein. Sie besteht aus den Leiterinnen des Medizinmanagements und der Stabsstelle Recht im KAV und aus dem Chefarzt des Psychosozialen Dienstes (PSD). Sowohl KAV als auch PSD gehören zur Stadt Wien. Read More »

“Behindert hieß, du bist nichts wert”

Wurden am Steinhof Kinder gequält? Der Kinderpsychiater Max Friedrich erinnert sich

Behinderte Kinder und Jugendliche, die den ganzen Tag in Netzbetten eingesperrt oder an ihren Betten angebunden sind und jahrelang nicht ins Freie kommen. Medikamente im Brei. Körperliche und seelische Brutalität. Davon berichtete im letzten Falter die Kinderkrankenschwester Elisabeth Pohl, die in den frühen 1980er-Jahren im Kinderpavillon am Steinhof arbeitete. Max Friedrich, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Wiener Allgemeinen Krankenhaus, spricht über die Situation behinderter Kinder in den 1980ern. Read More »

Die Schande von Pavillon 15

Noch in den 80er Jahren wurden am Ort der Nazi-Morde am Steinhof behinderte Kinder misshandelt. Eine Kinderkrankenschwester bricht ihr Schweigen

An ihrem ersten Arbeitstag wäre Elisabeth Pohl am liebsten davongelaufen. Es ist der 9. Dezember 1981, sieben Uhr früh, als die junge Frau in ihrem weißen Schwesternkittel ins Badezimmer von Pavillon 15 der Baumgartner Höhe tritt. Zehn Kinder liegen vor ihr, nackt, manche auf grünen Sportmatten, andere direkt auf den kalten Fliesen. Die Schwestern, Pohls neue Kolleginnen, heben die Kinder in die Badewanne und wieder heraus, trocknen sie mit einem Leintuch ab, stecken sie in blaue Latzhosen und binden ihnen die Arme an den Körper. Das Badewasser wechseln sie nur selten.

Elisabeth Pohl ist geblieben, fünf Jahre lang. Jetzt, drei Jahrzehnte später, erzählt sie erstmals von ihren Erlebnissen. Sie hat in den Zeitungen von der Psychiatrie-Untersuchungskommission im Jahr 2008 gelesen, von der Historikerkommission zu den Wiener Kinderheimen im Jahr 2012 und von der Wilhelminenberg-Kommission, deren Bericht demnächst veröffentlicht wird. Über die Misshandlung der behinderten Kinder und Jugendlichen am Steinhof ist bislang wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Read More »