Mariahilft

Die Gruft, der Jedmayer, das Aids Hilfe Haus: Die bekanntesten Sozialeinrichtungen der Stadt sind im sechsten Bezirk versammelt. Die Bezirksvorsteherin holt sie aktiv zu sich – zu schaden scheint ihr das nicht

Obdachlose. Drogensüchtige. Ex-Häftlinge. Punks. Aidskranke. Es sind Gruppen, denen die meisten Menschen im Alltag lieber nicht zu nahe kommen. „Gut, dass etwas gemacht wird“, denken viele, wenn eine neue Hilfseinrichtung geplant wird: „Aber bitte nicht vor meiner Haustür“.

„Nimby“ nennt man im englischsprachigen Raum diese Einstellung, „not in my backyard“. Sie wird zum Problem, wenn aus Angst vor aufgebrachten Anrainern kein Bürgermeister, kein Bezirksvorsteher Einrichtungen für Randgruppen aufnehmen will.

Auch in Wien versuchen die meisten Bezirksvorsteher, sich Problemgruppen vom Leib zu halten. Nur eine nicht: Renate Kaufmann, die rote Bezirksvorsteherin von Mariahilf.  Read More »

Räuberinnenleiter

Immer noch wird Politik in Österreich vor allem von Männern gemacht. Der Aufstieg der Frauen an die Macht geht nur langsam voran.

Platz 122, sechste Reihe, Plenarsaal, Parlament. Ein schwerer Lederstuhl, nicht anders als die ringsum. Ein Platz mitten im Zentrum der politischen Macht des Landes. Hier sitzt Elisabeth Hakel, 35 Jahre alt, lange blonde Haare, blaue Bluse. Es sind ihre letzten Monate. Wenn im Herbst der neue Nationalrat gewählt wird, ist es wohl vorbei. Dann sitzt vermutlich auf Platz 122 wieder ein Mann. Er heißt Wolfgang Moitzi, ist genauso wie Hakel aus der Steiermark. Max Lercher, Reformkoordinator der steirischen SPÖ, hat den Chef der Sozialistischen Jugend vorgeschlagen und auf den dritten und letzten aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl gesetzt.

Am Tag nach der Parteientscheidung sitzt Hakel in der Cafeteria des Parlaments. Ihr starrer Blick lässt ihren Frust erahnen. „Eine Männerpartie hat mich übers Messer springen lassen“, sagt sie. Was wie ein Zufall klingt oder ein politisches Manöver verschiedener Bezirksorganisationen, ist für sie symptomatisch. Ein Mann hilft einem Mann. Die Konsequenz daraus: Der Frauenanteil in der Politik wurde wieder ein kleines bisschen verringert.

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Genossin Gewissen

Sonja Ablinger hat beim Fiskalpakt gegen die Parteilinie gestimmt. Es war nicht das erste Mal

Sonja AblingerEs ist eine riesige Portion Salat mit Hühnerstreifen, die der Kellner im Café Lentos am Linzer Donauufer vor Sonja Ablinger hinstellt. “Wollen Sie etwas davon?“, fragt die Nationalratsabgeordnete und muss lachen: “Wir Sozialdemokraten teilen eben alles.“

Ablinger, 46, ist Sozialdemokratin durch und durch. Sie kommt aus einer roten Familie, engagiert sich seit ihrer Jugend in der SPÖ, und wenn sie von den Grundwerten der Partei spricht, gerät sie ins Schwärmen.

Doch vor kurzem hat sie deren Zorn auf sich gezogen. Read More »

„Es stimmt nicht, dass es keine Alternative gibt”

Als einzige SPÖ-Abgeordnete hat Sonja Ablinger im Parlament gegen den Fiskalpakt gestimmt. Aus diesem Anlass habe ich die „Genossin Gewissen” für den Falter portraitiert. Hier erklärt sie, was sie zu ihrer Entscheidung bewogen hat, warum der SPÖ-Klub nicht immer die Partei repräsentiert und wie Europa die Krise bekämpfen sollte.
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Das kleine Glück der Parteien: 1,2 Millionen

Wie viel Geld kassieren Parteien über ihnen nahe stehende Zeitungen von der Glücksspielindustrie?

Inseratenrecherche: Ruth Eisenreich, Peter Sim

“Oft genügt ein einfacher Impuls, um Dinge in Bewegung zu bringen. (…) Novomatic setzt daher gerade jetzt Impulse.“ Fast könnte man meinen, das Glücksspielunternehmen Novomatic spräche hier von seiner eigenen Lobbyingstrategie. Doch dieses Inserat, das im Frühling 2009 im SPÖ-nahen VOR-Magazin erschien, bewarb das von Novomatic gesponserte Tanzfestival Impulstanz.

Seit Jahren wird diskutiert, ob und in welcher Form Glücksspielunternehmen versuchen, durch finanzielle Zuwendungen an Parteien oder vorgelagerte Organisationen und Unternehmen die Gesetzgebung zu beeinflussen oder zumindest für wohlwollende Stimmung zu sorgen. Zahlungen an Lobbyisten und “Studien“-Aufträge an parteinahe Werbefirmen (BZÖ) sind mittlerweile amtsbekannt. Doch ist das alles?Read More »