Von Schwarzgrün zu Pink

Mit Partizipation und pinken Sofas will Beate Meinl-Reisinger die Neos ins Rathaus führen

Es gibt ein Foto von jubelnden Menschen, das die Neos lange für ihre Onlineauftritte verwendet haben. Ganz vorn in der Mitte steht, nein: hüpft Beate Meinl-Reisinger. Sie trägt einen pinken Schal über dem blauen Kleid, ihre Haare sind zerzaust, ihre Augen geschlossen, ihr Mund zum Kreischen weit aufgerissen.

Das Foto wurde in der „Neosphäre“, dem Parteilokal der Neos, aufgenommen, Sekunden nach der Bekanntgabe der ersten Hochrechnung zur Nationalratswahl 2013. Es war der Moment, in dem feststand, dass die Partei ins Parlament einziehen würde. Der Boden der Neosphäre bebte an diesem Abend, Meinl-Reisinger weinte vor Freude. Weiterlesen »

Die Ärzte im Blick

Schlampige Diagnosen, mangelnde Hygiene, schlecht ausgestattete Privatspitäler: Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz stellt ihren neuen Jahresbericht vor

Visite: Ruth Eisenreich

Zum Beispiel Herr W., Aktenzeichen WPPA 219438/13. An einem Dienstagmittag im Februar 2013 bringt ihn die Rettung in die Notaufnahme eines Wiener Spitals. Er hat sich zu Hause auf zwei aufeinandergestapelte Sessel gestellt, ist heruntergefallen und hat nun Schmerzen im Bauch, im Arm, in der Schulter. Der Arzt stellt fest: Das linke Schulterblatt ist gebrochen.

Dass beim Sturz außerdem Herrn W.s Milz gerissen ist, bemerkt niemand. Nicht im ersten Spital, nicht im zweiten, in das Herr W. am selben Abend wegen anhaltender Schmerzen und starker Übelkeit fährt, und zunächst auch nicht im dritten, in dem er spätnachts auftaucht. Erst am nächsten Morgen um sieben Uhr wird bei Herrn W. ein Ultraschall gemacht, der Milzriss entdeckt, eine Notoperation eingeleitet. „Er war am Rande des Todes“, sagt Sigrid Pilz. Sie ist die Patientenanwältin der Stadt Wien. Weiterlesen »

Geliebter Landesvater, verhasster Despot

Der Auftritt des türkischen Premiers Erdoğan polarisiert. Wir haben einen Fan und eine Gegnerin begleitet

Doppelporträt: Rusen Timur Aksak, Ruth Eisenreich

Liebe ist ein großes Wort. Harun Caliskan verwendet es trotzdem, wenn er über Politik spricht: „Ich liebe Erdoğan“, sagt er. Seit Stunden steht Caliskan, 38, deshalb in der prallen Sonne vor der Albert-Schultz-Halle in Wien-Donaustadt. Er wartet auf den türkischen Ministerpräsidenten, seinen Helden.

Für Hülya Tektaş, 34, ist Erdoğan kein Held, sondern ein Despot. Deshalb steht sie zur gleichen Zeit knapp fünf Kilometer von Caliskan entfernt im kleinen Park am Praterstern. Auf dem gelben Rasen sammeln sich die Teilnehmer der Anti-Erdoğan-Demonstration, auf einer Bühne werden die Unterstützerorganisationen verlesen. Alevitische und kurdische Verbände sind dabei, die Kommunistische Partei der Türkei, die Sozialistische Jugend, die Linkswende.

Es ist Donnerstag vergangener Woche, 14.30 Uhr, und halb Wien steht im Zeichen des bevorstehenden Auftritts von Recep Tayyip Erdoğan. Der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten füllt Titelseiten und TV-Diskussionen, bringt den Verkehr in Teilen der Stadt zum Erliegen und Politiker aller Parteien auf die Palme. Weiterlesen »

Pavillon 15, ein Jahr danach: Die Stadträtin prüft einen Bericht

Exakt ein Jahr ist es her, dass die Krankenschwester Elisabeth Pohl dem Falter von ihren Erlebnissen im Kinderpavillon am Steinhof erzählte: Im Pavillon 15, wo der NS-Arzt Heinrich Gross Menschenexperimente angestellt hatte, wurden ihr zufolge noch in den frühen 1980er-Jahren behinderte Kinder misshandelt, mit Medikamenten niedergespritzt und nackt und ohne Bettzeug in ihrem eigenen Kot liegengelassen.

Als Reaktion auf den Falter-Bericht setzte der Wiener Krankenanstaltenverbund eine Arbeitsgruppe ein. Ihre Mitglieder unterstanden der Stadt Wien; die von der ÖVP erhobene Forderung nach einer externen Expertenkommission wurde im Gemeinderat abgelehnt. Es sollte Monate und weitere Falter-Berichte dauern, bis die Arbeitsgruppe Elisabeth Pohl endlich näher befragte. Jetzt aber ist ihr Bericht für Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) fertig. „Der Bericht liegt vor und wird derzeit geprüft“, heißt es aus dem Stadtratsbüro.

Falter, 28.5.2014

Von Bukarest in den Stadtpark

In Wien sind immer mehr Obdachlose zu sehen. Ist die Armutseinwanderung aus dem Osten schuld?

Die Linzer Caritas hat ihre Türen geschlossen. Ab 1. November dürfen Menschen aus den osteuropäischen EU-Ländern nicht mehr in die „Wärmestube“, ein Tageszentrum für Obdachlose. Selbst Kinder sollen abgewiesen werden.

„Wir können einfach nicht mehr“, rechtfertigt die Leiterin Michaela Haunold diesen Schritt: Seit zwei Jahren steige die Zahl der Menschen aus den neuen EU-Ländern, die die Wärmestube aufsuchen, massiv. Auf 60 von der Landesregierung geförderte Plätze kämen oft 200 Besucher pro Tag. Alle anderen Linzer Einrichtungen würden Osteuropäer schon seit langem abweisen, und in der Wärmestube sei man „nur mehr damit beschäftigt, Eskalationen zu verhindern“. Weiterlesen »